Bansko. (may) Für zwei ÖSV-Topfahrer war Bulgarien definitiv keine Reise wert: Zum Auftakt des Weltcupwochenendes in Bansko verletzten sich Marco Schwarz und Hannes Reichelt im Kombinations-Super-G so schwer, dass sie vorzeitig die Heimfahrt antreten mussten - zwecks näherer Inspektion ihrer Blessuren im Spital. Bei Schwarz, der in Bulgarien große Chancen auf die Kombinations-Weltcupkugel hatte, bestand sogar der Verdacht auf einen Kreuzbandriss im linken Knie, womit die so erfolgreiche Saison für den 23-jährigen Kärntner schlagartig beendet wäre; ob man den 38-jährigen Routinier Reichelt heuer noch sieht, war ebenso fraglich, zumal sich der Salzburger laut ersten Diagnosen ein Schleudertrauma und Prellungen im linken Unterschenkel zugezogen hatte.

Schwarz, der die erste Kombination in Wengen gewonnen hatte, wurde die eingebaute Sprungschanze vor dem Ziel zum Verhängnis. Schwarz drückte es nach starker Fahrt (Platz elf) bei der Landung extrem nach hinten, sofort spürte er Schmerzen im linken Knie und hatte Mühe, im Zielraum abzubremsen. "Der Sprung ist ein brutaler Klatscher, drei Meter hoch gebaut, da klatscht es dich richtig runter, das ist ein bisserl ungut", erklärte der Kärntner Matthias Mayer, der wegen eines Torfehlers disqualifiziert wurde. Reichelt indes fädelte mit hohem Tempo im oberen Streckenabschnitt bei einem Tor ein, stürzte vornüber und krachte ins Netz.

In Abwesenheit von Schwarz war somit im finalen Slalom der Weg frei für den Franzosen Alexis Pinturault, der sich mit dem Tagessieg auch sein bereits fünftes Kombinations-Kristall sicherte. Eine starke Vorstellung lieferte wieder einmal Kombinations-Olympiasieger Marcel Hirscher ab, der nach einer gemäßigten Super-G-Fahrt (Rang 20) im Torlauf mit Laufbestzeit noch bis auf Rang zwei vorfuhr (+0,68). Und mit seinem Auftritt im Pirin-Gebirge, wo er bereits 2012 Slalom und Riesentorlauf gewonnen hatte, vollauf zufrieden war. "Es ist überraschend, dass es jetzt so ausgegangen ist. Es ist mir mehr als aufgegangen", so Hirscher, der sich über 80 zusätzliche Punkte für den Gesamtweltcup freuen darf. Im Super-G habe er mangels Training richtig dosiert: "Ich habe es so umgesetzt, wie ich es mir vorgenommen habe, das passt in Anbetracht der Umstände."

Angesichts der Stürze verzichtet Hirscher nun auf den geplanten Start im klassischen Super-G am Samstag (11.45 Uhr/ORFeins). Schließlich will der Annaberger, der in einer Woche 30 wird, im Weltcup-Finish - er liegt komfortable 460 Punkte vor Pinturault - nichts mehr riskieren. Und seine Priorität liegt ohnehin auf dem Riesentorlauf am Sonntag (9.30/12.30 Uhr), wo er sich nach jener im Slalom auch die Kristallkugel in dieser Disziplin vorzeitig sichern kann. "Der Riesentorlauf wird eine spannende Angelegenheit bei diesen Verhältnissen, speziell im zweiten Lauf kann es schon sein, dass die Piste unruhig wird." Pinturault indes war "glücklich, aber auch enttäuscht" darüber, dass es nach dem verletzungsbedingten Ausfall nicht zum großen Fight mit Schwarz im Slalom gekommen sei.

Ärger auch bei Pinturault

Auch der Franzose hatte wie Schwarz bei der Landung nach dem Zielsprung massive Schwierigkeiten, kam aber glimpflich davon. "Ich hatte noch Glück. Ich stelle mir die Frage: Warum muss man so einen Sprung bauen?" Ins selbe Horn stieß auch Hirscher: "Warum passiert erst etwas, wenn was passiert?" Im Laufe des Rennens wurde der Sprung dann etwas abgetragen - zu spät für Schwarz.

Ski-Weltcup:

Herren-Kombination in Bansko:

1. Alexis Pinturault (Fr) 1:55,55
2. Marcel Hirscher (Ö)+0,68
3. Stefan Hadalin (Slo) +0,69

Super-G Samstag, 11.45 Uhr
Riesentorlauf Sonntag, 9.30/12.30 Uhr

Damen in Crans-Montana:

Abfahrt Samstag, 9.30 Uhr
KombinationSonntag, 10.30/13.30 Uhr