Seefeld. (may) "Danke! Danke! Ein Traumski." Franz-Josef Rehrl wusste, bei wem er sich nach dem 10-Kilometer-Langlauf im Seefelder WM-Stadion bedanken musste - und brüllte dies lautstark für ein Millionenpublikum in die TV-Kamera. Tatsächlich hatte Rehrls Servicemann bei schwierigen Nassschneeverhältnissen ganze Arbeit geleistet und so die erste WM-Medaille des Ramsauers - gleichbedeutend mit dem ersten Edelmetall der Österreicher bei der nordischen Heim-WM - ermöglicht. Im Bewerb von der Großschanze sicherte sich der 25-Jährige am Freitagnachmittag Bronze hinter dem Deutschen Eric Frenzel und dem Norweger Jan Schmid. Pech hatte wie vor zwei Jahren in Lahti der Salzburger Mario Seidl, für den im Auftaktbewerb wieder nur der undankbare vierte Rang blieb.

Rehrl, der in der Vergangenheit nach perfekter Sprungleistung auf der Loipe oft nicht mithalten konnte, überstrahlte im Ziel alle. "Es ist fast ein bissl kitschig. Nach dem Springen habe ich nicht mehr mit der Medaille gerechnet. Aber jetzt habe ich einen Bombenlauf gehabt. Die Vorbereitung auf die WM hat perfekt gepasst." Während Teamkollege Seidl beim letzten Anstieg abreißen lassen musste, biss sich Rehrl durch und blieb an Frenzel wie Schmid dran. Zwar habe er sich dann vorgenommen, im Zielsprint noch um Gold und Silber mitzukämpfen - allein, die Kraft dafür fehlte: "Es ging einfach nicht mehr", erklärte der zweifache Saisonsieger.

Zufrieden mit seiner Laufleistung war trotz allem auch Seidl: "Ich muss jetzt nach vorne blicken. Am Schluss konnte ich einfach nicht mehr mitgehen. Das ist zwar bitter, aber ich weiß auch, dass ich dabei bin."

Die potenzielle Goldchance hatten beide wohl schon auf der Bergiselschanze vergeben, als sie mit den Plätzen 2 (Seidl) und 4(Rehrl) bei wechselnden Windbedingungen nicht jene sehr guten Flüge zeigten, mit denen sie das Training beherrscht hatten. "Da waren sie mit jedem Sprung sieben bis zehn Meter weg, daher ist das jetzt nicht zufriedenstellend und etwas enttäuschend", sagte ÖSV-Sprungtrainer Christoph Bieler. Überraschend Erster am Bergisel war Frenzel, der auf 130,5 Meter segelte und sich nun sechsfacher Weltmeister (bei gesamt 13 Mal Edelmetall) nennen darf. Der 30-Jährige ist somit der erfolgreichste WM-Kombinierer der Geschichte. "Unbeschreiblich, der ganze Tag war sehr speziell im positiven Sinne", betonte der Deutsche, der in Seefeld von 2014 bis 2017 bereits viermal en suite das Nordic Triple gewonnen hatte. Am Sonntag (10.30/13.30 Uhr) wartet auf die ÖSV-Kombinierer die nächste Medaillenchance: Im Teamsprint-Bewerb (ein Sprung von der Bergiselschanze, zwei Mal 7,5 Kilometer in Seefeld) dürfte das Duo Seidl/Rehrl ins Rennen geschickt werden.

Skiathlon ohne Stadlober

Einen Rückschlag gab es indes für Österreichs Langlauf-Aushängeschild Teresa Stadlober: Sie muss bei der Heim-WM wegen einer Verkühlung auf ein Antreten im Skiathlon am Samstag verzichten. Die 26-Jährige hatte sich Anfang der Woche mit einer leichten Entzündung der Atemwege herumgeschlagen, nach zwischenzeitlicher Besserung verschlechterte sich ihr Zustand aber wieder. Der Skiathlon wäre für die rot-weiß-rote Medaillenhoffnung der erste von drei geplanten WM-Starts gewesen. Ihre Teilnahmen am 10-Kilometer-Klassikrennen am Dienstag und dem abschließenden 30-Kilometer-Skatingmassenstart seien aus jetziger Sicht möglich, so der ÖSV.

Nord. Kombination, Großschanze:

1. Eric Frenzel (D)23:43,0 Min.
2. Jan Schmid (Nor)+4,3 Sek.
3. Franz-Josef Rehrl (Ö)+8,7
Weiters:
4. Mario Seidl (Ö)+15,3
10. Bernhard Gruber (Ö)+58,6
31. Lukas Klapfer (Ö)+3:32,5

Programm am Samstag:
Skiathlon Damen 15 km11.00 Uhr
Skiathlon Herren 30 km12.30 Uhr
Herren-Springen Großschanze14.30 Uhr

Sonntag:
Kombination Team-Sprint
10.30/13.30 Uhr
Langlauf Team-Sprint 11.30 Uhr
Herren Team-Springen14.45 Uhr