Seefeld. (art) Eva Pinkelnig hat harte Zeiten hinter sich; nach schweren Stürzen Ende 2016 samt Gehirnerschütterungen, neuronalen Problemen, Wut- und Ohnmachtsgefühlen dachte sie schon ans Aufhören. Sie habe gewusst, sagte sie dieser Tage zur Austria Presse-Agentur, "das Feuer brennt noch, es ist irgendwo noch eine Glut, und ich brauche nur den richtigen Anzünder". Der Anzünder, das waren die kleinen Schritte, die im Training gelangen, die konstanten Leistungen im Weltcup sowie - natürlich - die Aussicht auf die Heim-Weltmeisterschaften in Seefeld. Am Dienstag wurde der Funke dann zum Feuerwerk - einem Feuerwerk, das in Silber glänzte, einem Feuerwerk der Gefühle für Österreichs Skispringerinnen.

Pinkelnig, Jacqueline Seifriedsberger, Chiara Hölzl und Daniela Iraschko-Stolz mussten sich im erstmals im Rahmen von Weltmeisterschaften ausgetragenen Teambewerb nur Deutschland geschlagen geben. Für die Weltcup-Dominatorin Maren Lundby blieb mit Norwegen Bronze. Österreichs Startspringerin Pinkelnig kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Es ist der geilste Sport, es ist eine Traum-Atmosphäre, und das nach allem, was passiert ist - natürlich lache ich", meinte sie nach getaner Arbeit.

Schon davor hatte aus österreichischer Sicht Langläuferin Teresa Stadlober zwar keine Medaille, aber einen gelungenen Wettkampftag gefeiert. Die Salzburgerin, die im Skiathlon noch wegen einer Erkältung gefehlt hatte, meldete sich über 10 Kilometer beim - neuerlichen - Sieg der Norwegerin Therese Johaug mit Platz acht beachtlich zurück und darf nun positiv in Richtung 30 Kilometer mit Massenstart am Samstag blicken, wo Österreichs Aushängeschild im Langlauf sogar mit einer Medaille spekulieren darf.

Weitere Chancen im Einzel
und im Mixed-Team

Auch für Österreichs Skispringerinnen soll das nicht alles gewesen sein. Weitere Medaillenchancen gibt es im Einzel am Mittwoch (16.15 Uhr) sowie im Mixed-Team mit den wieder erstarkten Männern, die nach einer durchwachsenen Saison am Sonntag zu Silber gesprungen waren und ihren Normalschanzenbewerb im Einzel am Freitag absolvieren. Wer aus den beiden Teams dabei sein wird, steht noch nicht fest. Vorerst ist der Fokus der Frauen ohnehin auf das Einzel gerichtet, das zum sechsten Mal im Rahmen von nordischen Weltmeisterschaften ausgerichtet wird. Bisher gab es einmal Gold, 2011 in Oslo durch Iraschko-Stolz, sowie jeweils Bronze durch Seifriedsberger 2013 und Iraschko-Stolz 2015.

Die Grande Dame des rot-weiß-roten Frauen-Skispringens war mit Trainingsrückstand und mangelnder Wettkampfpraxis nach Seefeld gekommen, war drei Wochen lang durch eine Lungenentzündung zur Einnahme von Antibiotika, sportlich aber zum Nichtstun verurteilt. Doch die 35-Jährige kann sich auf ihre Erfahrung und die Kenntnis der Toni-Seelos-Schanze in Seefeld, ihrer Trainingsstätte, verlassen. Sportdirektor Mario Stecher wusste schon im Vorfeld, was er an seiner steirischen Landsfrau hat: Wenn sie jammere, springe sie auch stark, hatte er vor dem Teambewerb gemeint. Der Dienstag sollte ihm vorerst recht geben. Und damit haben Iraschko-Stolz, Pinkelnig, Hölzl und Seifriedsberger wohl Lunte gerochen.