"Sparte wird neu organisiert"

Erbost äußerte sich schließlich auch Schröcksnadel über den neuerlichen Doping-Fall im Langlauf-Lager: "Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden. Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Im ÖSV gilt Null-Toleranz gegenüber Doping." Auch wenn es keine Hinweise gebe, dass ÖSV-Betreuer involviert sind, kündigte er tabula rasa an: "Ich werde dem Präsidium vorschlagen, nach dieser Saison den Langlaufsport im ÖSV völlig neu zu organisieren."

Die Drahtzieher dieses Doping-Netzwerkes dürften laut Behördenangaben im deutschen Erfurt sitzen und von dort aus international - und in mehreren Sportarten - agiert haben. Neben den betroffenen Sportlern wurden zwei Komplizen des 40-jährigen hauptverdächtigen deutschen Mediziners in Seefeld festgenommen - sowie der Mediziner selbst und ein Komplize in Erfurt. Ermittelt wird "wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken".

Vorerst standen Einvernahmen der Verdächtigen an. Innerhalb von 48 Stunden müsse dann entschieden werden, ob über sie die Untersuchungshaft verhängt wird, erklärte der Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr. Der Mediziner und seine Komplizen hätten eine "kriminelle Organisation" gebildet; die Sportler selbst seien nicht Teil dieser Organisation gewesen, stünden aber in Verdacht, sich mit Eigenblut behandelt haben zu lassen.

Die Ermittler in Deutschland hätten Hinweise gehabt, dass der Sportmediziner nach Seefeld habe reisen wollen, um dort die Sportler "auf illegale Weise zu behandeln", so Mayr. Anschließend habe es ein Rechtshilfeersuchen der deutschen Behörden gegeben, und in Folge hätten Überwachungen stattgefunden. Dabei habe sich der Verdacht bestätigt. Vorher war laut den Ermittlern nicht bekannt, welche Sportler sich von dem Arzt behandeln ließen. Schlussendlich sei es in Deutschland und Österreich an 16 Standorten zu Zugriffen beziehungsweise Hausdurchsuchungen gekommen - gleichzeitig und unter Beteiligung des Sondereinsatzkommandos Cobra. BKA sowie Staatsanwaltschaft Innsbruck schlossen nicht aus, dass noch weitere Personen betroffen sein könnten. Zunächst müsse man aber die Vernehmungen der Beschuldigten abwarten. Sie sprachen von einer "geschlossenen Indizienkette". So sei etwa in Erfurt ein komplettes Dopinglabor inklusive Equipment wie Blutkonserven und Zentrifugen ausgehoben worden, das dem Sportmediziner zugerechnet wird. Die Dopingcausa dürfte indes über den Langlaufsport hinaus Kreise ziehen. "Es sind sicher auch noch andere Sportarten betroffen", erklärte Csefan. Die "kriminelle Organisation" sei jedenfalls seit mehr als fünf Jahren weltweit tätig.

Dürr löste Ermittlungen aus

Pikant ist, dass laut Staatsanwaltschaft München ausgerechnet Johannes Dürr diese Doping-Ermittlungen ausgelöst hat - nachdem jüngst eine ARD-Dokumentation über den offenbar geläuterten Epo-Doper ausgestrahlt worden war. Dürr hatte zuletzt verzweifelt versucht, den Sprung ins WM-Aufgebot zu schaffen, biss allerdings beim ÖSV auf Granit, weil man saubere Spiele wollte. Genau das sind sie dank Dürrs Beitrag seit Mittwoch nicht mehr.