Seefeld. (may) Im heimischen Langlauf-Sport wird kein Stein auf dem anderen bleiben - so viel ist nach dem neuerlichen Dopingskandal mit mutmaßlicher Beteiligung der rot-weiß-roten Athleten Dominik Baldauf und Max Hauke just bei der Heim-WM in Seefeld sicher. Und geht es nach ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der in einem ersten Schritt Langzeit-Spartenchef Markus Gandler gleich nach der WM feuern wird und alle anderen Funktionäre zu Saisonschluss loswerden möchte, wird es künftig auch keinen Langlauf-Spitzensport unter dem Dach des Skiverbandes mehr geben. "Ich habe keine Lust, jedes Mal Angst haben zu müssen, dass jemand aus dem Bereich etwas tut, für das ich dann geradestehen muss", meinte Schröcksnadel am Mittwochabend. Mit selbigem hatte der ÖSV-Präsident freilich schon nach dem Turiner Dopingskandal sowie der Causa Johannes Dürr bei Olympia 2014 gedroht - dann aber doch nicht die absolute Notbremse gezogen.

Dies würde nämlich vor allem eine Athletin massiv treffen, die sich als einzige des ÖSV-Langlauf-Teams zur erweiterten Weltelite zählen darf: Teresa Stadlober. Die 26-Jährige soll eigentlich am Samstag im 30-Kilometer-Bewerb das Rennen ihres Lebens laufen; zudem hat sie aufgrund ihres Alters noch jede Menge Zukunftsperspektiven, die sich ohne ÖSV-Förderung wohl zerschlagen würden. Zumal dem "alpinen" Schröcksnadel der (international betrachtet) Doping-verseuchte Langlaufsport generell suspekt ist. Denkbar ungünstige Voraussetzung also für die einzige rot-weiß-rote Medaillenhoffnung in der Seefelder Loipe: "Ich werde alles dafür tun, dass ich gut vorbereitet in dieses Rennen gehen kann. Ebenso hoffe ich, dass mich das Service-Team weiter mit gutem Material an diesem für mich so wichtigen Tag unterstützt. Es ist für uns alle verständlicherweise eine schwierige Situation", so Stadlober, die "total enttäuscht" von ihren beiden Teamkollegen ist und sich darob erklären muss: "Ich kann für mich nur sagen, dass ich für sauberen Sport stehe, und möchte mich von deren unglaublichen Taten distanzieren."

Dass Schröcksnadel nun das Kind mit dem Bade ausschütten möchte, findet auch Österreichs erfolgreichster Winter-Olympionike nicht gut. "Was mich am meisten stört, ist diese Pauschalverurteilung. Es gibt auch bei Unternehmern schwarze Schafe, aber es sind nicht alle Unternehmer Betrüger. Da muss man differenzieren. Es ist keine Option, den Langlauf in Österreich auszurotten. Wegen den Zweien darf nicht der ganze Tross draufzahlen", meinte der mittlerweile zurückgetretene nordische Kombinierer Felix Gottwald.

Dürr kam mit Diversion davon

Indes dürfte sich der Doping-Skandal immer mehr ausweiten: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurden in der Praxis des am Vortag festgenommenen Sportmediziners in Erfurt auch Fußballer, Schwimmer, Radsportler, Handballer und Leichtathleten behandelt. Das heißt freilich nicht, dass diese auch mit Blutdopingpraktiken zu tun gehabt haben müssen, es scheint aber recht wahrscheinlich. Zumal dem Mediziner schon in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt Verwicklungen in Dopingpraktiken vorgeworfen worden waren. Gegen den 40-Jährigen ist am Donnerstag ein Haftbefehl erlassen worden, er stand vor der Überstellung in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Während in Österreich das Bundeskriminalamt am Donnerstag mit der Auswertung der sichergestellten Materialien und Gegenstände beschäftigt war, hieß es von der Staatsanwaltschaft Innsbruck, dass den fünf festgenommenen Sportlern (darunter auch zwei Esten und ein Kasache) in Österreich bis zu drei Jahre Haft drohen. Und zwar wegen des Vergehens des Sportbetrugs - denn das (recht strenge) heimische Dopinggesetz greift nicht, wenn man Eigenanwendungen wie Blutdoping vornimmt. (Hierfür gibt es freilich Wettkampfsperren).

Hauke und Baldauf sind am Donnerstagabend wieder enthaftet worden. Sie und der ebenfalls enthaftete Kasache hätten das Eigenblutdoping gestanden. Gegen die Athleten bestehe allerdings weiter der Verdacht des Sportbetrugs. Damit seien sie verdächtig, "trotz anderslautender Verpflichtungen und Erklärungen gegenüber Veranstalter, Verbänden und Sponsoren eine verbotene Dopingmethode angewendet und damit unrechtmäßig Unterstützungen und/oder Preisgelder erlangt oder zu erlangen versucht zu haben", so die Staatsanwaltschaft. Die beiden ÖSV-Läufer und der kasachische Sportler hätten umfangreiche Angaben gemacht.