Wien. Für seine Kritiker ist es eigentlich zum Ärgern. Kaum hatte Peter Schröcksnadel anklingen lassen, dass er sich als Präsident des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) bald zurückziehen werde - und welch bessere Gelegenheit hätte es nach einer erfolgreichen Heim-WM und der vielleicht letzten großen Kristallkugel seines Superstars Marcel Hirscher gegeben? - da platzte wieder einmal ein Doping-Skandal in die Pulverschnee-Idylle der Skination. Nach den Vorkommnissen in Seefeld samt direkten wie indirekten Rücktrittsaufforderungen kündigte der 77-jährige Tiroler nämlich gewohnt kämpferisch an: "So kann ich nicht gehen. Das muss man aufräumen."

Aufräumen also. Dabei geht es freilich nicht nur um die verbotenen Doping-Praktiken seiner Langlauf-Athleten, sondern auch um das Standing des erfolgreichsten heimischen Sportverbandes in der Öffentlichkeit. "Man muss nachdenken, ob es nicht eine Gruppe gibt, die uns schaden will", tat der Präsident noch in Seefeld kund und erntete ob dieser "Verschwörungstheorie" umgehend Kopfschütteln. Zwar ist es blanker Unsinn, dass die Seefelder Doping-Razzia in irgendeinerweise politisch oder medial gesteuert wäre (wenngleich Dutzendschaften an Polizisten auf der Loipe für nur fünf gesuchte Sportler andernorts Menschenrechtsaktivisten auf den Plan gerufen hätten), dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Schröcksnadel und die Seinen seit Jahren bei manchen Medien - wann immer es um Nicht-Sportliches geht - extrem schlecht angeschrieben sind.

Blicken wir zurück zum Sommer 2015: Wie nie zuvor in seiner fast 30-jährigen Amtszeit kam Schröcksnadel ins Schwitzen, als ihn seine absolute Top-Athletin öffentlich via Facebook beschimpfte. Anna Fenninger (heute Veith) wurde so plötzlich - hochgejazzt in den sozialen Medien - zur Ikone des feministischen Widerstands gegen einen verkrusteten Alte-Männer-Verein. Dabei ging es eigentlich nur ums Geld, nämlich um einen hochdotierten persönlichen Sponsorenvertrag, der jedoch im Widerspruch zum ÖSV-Generalsponsor stand. Und völlig übersehen wurde in der emotionalen Debatte, dass der ÖSV mit diesen Mitteln eine soziale Umverteilung von oben nach unten (zum Nachwuchs hin) betreibt, die das Medaillen-Perpetuum-mobile erst ermöglicht. Am Ende konnte die sonst recht zurückhaltende Salzburgerin im Schoß des ÖSV bleiben - und wird wohl nach ihrer Verletzungsmisere recht froh sein, ebendort auch in schlechten Zeiten mit den besten Ärzten und dem besten Material versorgt zu sein. Und Schröcksnadel beendete die Auseinandersetzung, indem er Olympiasiegerin Petra Kronberger zur Frauenbeauftragten machte. Die zwei Jahre später mit der Missbrauchsdebatte im Skisport gleich alle Hände voll zu tun bekam.