Soldeu. Nicole Schmidhofer hat sich die Abfahrtskugel im finalen Rennen nicht mehr nehmen lassen. Die steirische Skirennläuferin landete am Mittwoch beim Weltcupfinale in Soldeu an der elften Stelle, holte sich die Disziplinenwertung vor ihren Kolleginnen Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer. Der Tagessieg ging mit Mirjam Puchner an eine weitere Österreicherin.

Es ist der zweite Dreifacherfolg für den ÖSV im Abfahrtsweltcup der Damen nach jenem 1999 durch Renate Götschl, Alexandra Meißnitzer und Michaela Dorfmeister. Zudem gewannen die ÖSV-Damen erstmals seit Eva-Maria Brem 2016 (Riesentorlauf) wieder ein Kristall - und erstmals seit Götschl 2007 wieder in der Abfahrt.

Getrübt wurde die kollektive rot-weiß-rote Freude allerdings durch den Sturz von Cornelia Hütter. In ihrem ersten Rennen bei ihrem zweiten Comeback in diesem Winter nach Verletzungspausen wurde die Steirerin erneut von der Piste abgeworfen - es bestand der Verdacht auf eine Knieverletzung.

Das Rennen in El Tarter wurde durch den Wechsel von Sonne und Wolken sowie Wind beeinträchtigt. Als die mit Nummer fünf gestartete Siebenhofer bei ihrer Zielankunft hinter Schmidhofer (Nummer drei) lag, war der Kristallkampf bereits entschieden. "Die Kugel hat einen hohen Stellenwert, das ist eine Leistung über die gesamte Saison. Ich bin megahappy", sagte Schmidhofer.

Das Rennen sei nicht nach Wunsch verlaufen. "Wenn du teilweise Hocke fährst, wo man eigentlich nicht Hocke fahren kann, weil du normal viel mehr Speed hast, dann weißt du schon, dass dir die Tore entgegenstehen", meinte sie, die schwierigen Windverhältnisse ansprechend. Venier schnappte mit Tagesrang acht Siebenhofer noch den zweiten Platz in der Disziplinenwertung weg. "Das Rennen war von fair weit weg. Aber ich bin happy, dass ich Gesamtzweite bin. Ich finde es extrem cool, dass wir jetzt zu dritt da oben stehen dürfen."

Die 26-jährige Puchner feierte den zweiten Weltcupsieg ihrer Karriere, nach der Abfahrt 2016 in St. Moritz wiederum beim Finale. Sie setzte sich in einem engen Rennen vor der Deutschen Viktoria Rebensburg (+0,03) und der Schweizerin Corinne Suter (+0,08) durch. "Das war sehr überraschend. Ich habe mir gedacht, ich habe nichts zu verlieren. Jetzt bin ich ziemlich erleichtert", meinte die Salzburgerin, die wegen des Hütter-Sturzes am Start lange warten musste. "Wenn eine Teamkollegin stürzt, ist es noch bitterer." Puchner hatte sich im Abfahrtstraining bei der WM 2017 in St. Moritz das Schien- und Wadenbein im rechten Bein gebrochen, das Comeback bezeichnete sie als hart. "Anfang der Saison habe ich öfter Gedanken gehabt, dass ich mich nicht mehr raussehe. Jetzt kann ich das gut abschließen", erklärte sie.

Beat Feuz behielt die Nerven

Bei den Herren setzte zwar Dominik Paris seine Hochform mit dem dritten Abfahrtssieg in Folge beziehungsweise dem vierten in dieser Saison fort, dennoch musste der Südtiroler mit 20 Punkten Rückstand dem Schweizer Beat Feuz zum Gewinn des Abfahrtsweltcups gratulieren. Feuz reichte in Soldeu ein sechster Tagesrang zur Verteidigung der kleinen Kristallkugel.

Paris siegte vor dem Norweger Kjetil Jansrud (+0,34) und dem Kärntner Otmar Striedinger (+0,41). Vincent Kriechmayr landete am Mittwoch auf dem fünften Tagesrang und sicherte sich in der Gesamtwertung Rang drei. "Ich freue mich irrsinnig. Für mich ist es sicher mein bestes Abfahrtsjahr." Allerdings fehle ihm noch eine Kugel - auf die hat er im Super-G am Donnerstag (12Uhr) noch eine Chance - auf Paris fehlen aber 44 Punkte.

Weltcup-Finale in Soldeu:

Damen-Abfahrt:

1. Mirjam Puchner (Ö) 1:32,91
2. Viktoria Rebensburg (D)+0,03
3. Corinne Suter (Sz)+0,08
Weiters:
5. Tamara Tippler (Ö)+0,24
8. Stephanie Venier (Ö)+0,56
Endstand Abfahrtsweltcup:
1. Nicole Schmidhofer (Ö)468
2. Venier (Ö)372
3. Ramona Siebenhofer (Ö)354

Herren-Abfahrt:

1. Dominik Paris (It) 1:26,80
2. Kjetil Jansrud (Nor)+0,34
3. Otmar Striedinger (Ö)+0,41
Weiters:
5. Vincent Kriechmayr (Ö)+0,48
Endstand Abfahrtsweltcup:
1. Beat Feuz (Sz)540
2. Paris (It)520
3. Kriechmayr (Ö)339

Damen-Super-GDonnerstag, 10.30 Uhr
Herren-Super-G Donnerstag, 12.00 Uhr