Soldeu. Über Marcel Hirscher ist längst alles gesagt und geschrieben - über sein übergroßes Talent, seinen Siegeswillen, seinen Trainingseifer, seine Athletik, sein skifahrerisches Feingefühl, sein professionelles Umfeld, und und und. Alle Jahre wieder zum alpinen Saisonfinale, bei dem sich der nach Mozart wohl berühmteste Salzburger die große Kristallkugel für den besten Skifahrer des Winters abholt, werden die selben Phrasen und Superlativen über den Ausnahmekönner bemüht. Daher sei heuer - ausnahmsweise - an dieser Stelle erwähnt, welche Triumphe und Rekorde er noch nicht geschafft und also noch vor sich hätte, die ihm aus sportlicher Sicht ein Weitermachen schmackhaft machen könnten. Denn so groß wie heuer war wohl noch nie die Gefahr, dass der soeben 30 gewordene Jungvater beim Weltcupfinale nicht nur für diese Saison, sondern für immer abschwingt.

Weltcupsiege: Acht Gesamtweltcupsiege (und das in Serie) sind aus heutiger Sicht eine Marke für die Ewigkeit - aber nicht zuletzt kostete ihn die "Kugel im Hinterkopf" so manchen Weltcupsieg. Daher hält der Annaberger nach zwölf Jahren im Weltcup "erst" bei 67 Einzelsiegen (Stand vor Riesentorlauf und Slalom in Soldeu, da der Deutsche Stefan Luitz vom internationalen Sportgerichtshof nun doch seinen Beaver-Creek-Sieg zugesprochen bekommen hat). Die magische Marke lautet hier 86, aufgestellt 1989 vom berühmten Ingemar Stenmark. Hirscher bräuchte somit noch zwei solch erfolgreiche Saisonen wie zuletzt, um diesen Rekord zu brechen - wiewohl dieser aber nicht lange halten dürfte, drängt doch die 24-jährige Mikaela Shiffrin unwiderstehlich heran (aktuell 58 Erfolge).

WM-Medaillen. Sollte er tatsächlich noch zwei Saisonen dranhängen, gäbe es bei der WM 2021 in Cortina auch einiges zu holen: Mit zwölf Mal Edelmetall liegt der Norweger Kjetil André Aamodt in der ewigen Bestenliste noch eine Medaille vor Hirscher; und mit sieben Mal Gold ist Hirscher "nur" ex aequo mit Ski-Legende Toni Sailer, auf die beste Athletin (Christl Cranz) fehlen aber doch gleich fünf Goldene. Und auch im WM-Slalom könnte er Stenmark noch ausstechen, denn der Schwede hat sich so wie Hirscher (2013, 2017, 2019) drei Mal zum alpinen Slalomkönig gekrönt.

Olympia. Auch wenn sich Hirscher nicht noch einmal Olympia im fernen Asien antun wird, 2022 in Peking hätte er die Chance, seine eher bescheidene Bilanz bei den Winterspielen aufzupolieren: Mit drei Medaillen, davon bekanntlich Doppelgold in Pyeongchang, nimmt Hirscher lediglich Rang sieben in der Herren-Rangliste ein. Auf Hermann Maier fehlt eine Bronzene, auf den besten Alpinen in der Historie der fünf Ringe - Aamodt - aber doch recht viel. Der Norweger ist mit vier Mal Gold und je zwei Mal Silber wie Bronze unerreicht.

Siege in allen Disziplinen. Der Norweger zählt auch zum elitären Kreis jener fünf Fahrer, die in allen Disziplinen (ohne Parallelrennen) gewonnen haben - Hirscher zählt nicht dazu. Während ihm 2015 in Beaver Creek der Super-G-Coup gelungen ist, fehlt ihm in der Abfahrt noch ein Erfolg. Nachdem er lange mit einen Umstieg zur Abfahrt kokettiert (und diesen endgültig verworfen) hat, scheint dieser Zug abgefahren. Allerdings rät just Aamodt, es beim nächsten Weltcupfinale in Lenzerheide zu versuchen - das übrigens im März 2021 wieder stattfindet.

Punkterekord. Und schließlich wäre da noch ein prominenter Nicht-Hirscher-Rekord im Weltcup - die Punktebestmarke hält seit dem Jahr 2000 sein Landsmann Maier mit exakt 2000 Zählern. Hirscher schaffte 2016 als Zweitbester 1795 Punkte. Da nächstes Jahr kein Großereignis ansteht und somit mehr Rennen im Kalender angesetzt sind, wäre das doch eine gute Gelegenheit . . .

Weltcupfinale in Soldeu:

Teambewerb:

1. Schweiz
2. Norwegen
3. Deutschland
Österreich im Viertelfinale out/Rang 5

Samstag:

Herren-Riesentorlauf9.30/12.15 Uhr
Damen-Slalom10.30/13.15 Uhr
Sonntag:
Damen-Riesentorlauf9.30/12.15 Uhr
Herren-Slalom10.30/13.15 Uhr