Planica. (rel) Letalnica bratov Gorišek, Ski-Flugschanze der Gebrüder Gorišek - so lautet der offizielle Name der weltweit zweitgrößten Flugschanze eigentlich. Wirklich bewusst war und ist dies aber nur wenigen. Das könnte sich dieses Wochenende, wenn im slowenischen Skisprung-Mekka Planica die Saison mit dem Skiflug-Weltcup beschlossen wird, ändern. Die Arena mit ihren 50.000 Zuschauerplätzen feiert nämlich heuer ein besonderes Jubiläum: Vor 50 Jahren, am 19. März 1969, wurde die vom slowenischen Brüderpaar Lado und Janez Gorišek konstruierte und inzwischen mehrmals umgebaute Flugschanze feierlich eröffnet. Der Andrang war mit 90.000 gezählten Fans enorm, im Gegenzug wurde die dicht zusammengedrängte Fanmenge, was die sportlichen Leistungen der damaligen Athleten betrifft, nicht enttäuscht. Gleich fünf Mal wurde der Weltrekord im Skiflug an diesem Eröffnungswochenende gebrochen, die vom Norweger Bjørn Wirkola am 21. März 1969 gesetzte Marke von 156 Metern jeden Tag überboten - am Ende um ganze neun Meter, und zwar durch Manfred Wolf aus der DDR. Bis die 200-Meter-Marke geknackt wurde, verging noch ein Vierteljahrhundert: Am 17. März 1994 sprang Andreas Goldberger als erster Mensch über 200 Meter, konnte den Sprung aber nicht stehen, weshalb der erste Zweihunderter (203 Meter) Toni Nieminen aus Finnland angerechnet wurde.

Heute sind Weiten jenseits der 200 Metermarke (dank baulicher Maßnahmen) in Planica längst die Norm. Der Schanzenrekord liegt derzeit bei 251,5 Metern - aufgestellt vom Polen Kamil Stoch am 25. März 2017, der damals Stefan Kraft nur um einen halben Meter überflügelte. Dementsprechend groß waren daher auch die Erwartungen der Anhänger im Vorfeld des heurigen Weltcupfinales, das am Freitag mit dem ersten Einzelbewerb startete. Die Sprünge der Qualifikation am Donnerstag erwiesen sich dabei als gutes Omen. So hatten der Japaner Ryoyu Kobayashi und der Deutsche Markus Eisenbichler mit jeweils 248 Metern für Bestweiten gesorgt. Kraft erhielt für seinen 232-Meter-Flug zweimal die Höchstnote 20,0 und war Vierter hinter Timi Zajc. Unter die Top-30 geschafft hatten es auch Michael Hayböck, Daniel Huber und Philipp Aschenwald.

"Das war nicht mein Tag"

Allein, wirklich abrufen konnten die Österreicher ihre Leistungen am ersten Bewerbstag nicht. Sie spielten in der Entscheidung keine Rolle, lediglich Kraft wurde als bester Österreicher 14. "Das habe ich mir ganz anders vorgestellt. Das muss ich jetzt in Ruhe analysieren. Ich habe mir extrem schwergetan, dann geht es einmal schnell, dass man nicht unter den besten Zehn ist", meinte der Salzburger, der nun auch keine Chance mehr auf die kleine Kristallkugel hat. "Das war nicht mein Tag heute."

Der Sieg ging an Markus Eisenbichler, der in Planica seinen ersten Weltcupsieg feierte. Mit Weiten von 217,5 und 233 Metern gewann er 6,9 Zähler vor dem Japaner und Halbzeitleader Ryoyu Kobayashi und 8,7 vor dem Polen Piotr Zyla. Trotz allem haben die Österreicher noch eine Chance auf Erfolge: Am Samstag geht in Planica der Team-Wettkampf und am Sonntag der zweite Einzel-Bewerb über die Bühne (beide 10 Uhr/live ORFeins). Sollte es auch da nicht klappen, haben die ÖSV-Adler die Gelegenheit im kommenden Jahr - bei der Skiflug-WM vom 20. bis 22. März - zuzuschlagen. Das Weltcup-Finale findet eine Woche davor in Vikersund (Nor) statt. Der Rekord auf der weltweit größten Skiflugschanze liegt übrigens bei 253,5 Metern. Aufgestellt hat ihn Kraft 2017.