Wien. (may) Als Hans Pum 1977 im ÖSV anfing, war Franz Klammer am Patscherkofel kurz zuvor zum Olympiasieg gerast; als Pum 42Jahre später - am Donnerstagabend - seinen Abgang ankündigte, hatte er wenige Wochen zuvor gemeinsam mit Marcel Hirscher mit dessen achter Gesamtweltcupkugel vor den Fotografen posiert. Ohne Zweifel lässt sich sagen, dass mit dem Abschied des 64-jährigen Mühlviertlers eine Ära im österreichischen Skiverband (ÖSV) zu Ende geht, die sogar jene des Präsidenten-Faktotums Peter Schröcksnadel um ein Jahr übertrifft, da der Tiroler "erst" 1978 zum ÖSV gestoßen ist.

Offizieller Grund für den für alle überraschenden Abgang Pums, der sich vom Europacup-Konditionstrainer über den Herren-Rennsportleiter bis zum Sportdirektor (seit 2010) hochgearbeitet hat, ist der Umbauprozess in Österreichs erfolgreichstem Sportverband: "Derzeit laufen alle Umstrukturierungen. Im Zuge dieser Sitzungen habe ich den Entschluss gefasst, dass es besser, ist mein Amt zurückzulegen. Das ist jetzt zwar etwas früher als ursprünglich geplant, aber es war für mich der richtige Zeitpunkt", erklärte der Oberösterreicher.

Wer jetzt vermutet, dass derlei im politischen Getriebe auf einen handfesten Streit und unsanften Rückzug schließen lässt, sollte bedenken, dass zwischen Schröcksnadel und Pum in all den Jahren des erfolgreichen Zusammenwirkens kein Blatt Papier passte. Man machte gemeinsam gute und schlechte Zeiten durch, wiewohl Erstere weitaus überwogen. So fallen in Pums Epoche als Alpindirektor (1996 bis 2010) die größten rot-weiß-roten Erfolge in der Skisport-Historie. Insgesamt durfte er in dieser Zeit 38 Olympiamedaillen, davon 10 in Gold und 62WM-Medaillen, davon 20 in Gold bejubeln. "Ich habe wunderschöne Erfolge im ÖSV miterleben dürfen und möchte mich beim Präsidenten für das jahrelange Vertrauen bedanken", erklärte Pum, der wie Schröcksnadel die gemeinsame Freundschaft betonte. Dass Pums Tätigkeit als Sportdirektor, der für alle Sparten zuständig ist, Ende Juli endet, hat auch arbeitstechnische Gründe: Am 4. Juli wird Pum 65 Jahre alt - und erreicht somit das gesetzliche Pensionsalter. Und im Gegensatz zum im Juli 78 werdenden Präsidenten Schröcksnadel - im Brotberuf Unternehmer -, ist Pums Posten kein Ehrenamt. Bis Juli will er jedenfalls zu "100 Prozent" mithelfen, den Umbau im ÖSV abzuschließen - und "dann werde ich einmal Zeit für die Familie haben und mich zurücknehmen. Ich werde mir die Zeit nehmen und Urlaub machen und die Gedanken neu sammeln", so Pum.