Wien. Die Spitzensport-Karriere ist vorbei, Andreas Kofler widmet sich neuen Zielen. Der 34-jährige Jung-Vater gab am Montag im Innenministerium in Wien im Beisein von Gattin Mirjam und seiner Tochter Luise seinen Rücktritt als Skisprung-Profi bekannt. Der zweifache Olympiasieger und fünffache Weltmeister (jeweils im Team) bleibt bei der Polizei, die ihn seit 2007 unterstützt, und beginnt die Trainerausbildung. "Es sind viele Emotionen im Spiel. Es ist sicher ein schwieriger, aber auch ein schöner Tag", sagte Kofler und bedankte sich bei allen, die ihn unterstützt haben.

Mit seinem obersten Vorgesetzten gab es sogar einen "Dressentausch". Kofler überreichte Innenminister Herbert Kickl vor laufenden Kameras einen Sprunganzug und erhielt im Gegenzug eine Polizeiuniform. Der Tiroler möchte in der Landespolizeidirektion im technischen Bereich tätig sein, etwa im Bereich Drohnen. Streifendienst wird der Stubaier jedenfalls nicht versehen. "In der Ausbildung ist es vorgekommen, dass ich auf einen Strafzettel hinten ein Autogramm schreiben musste", erzählte Kofler lächelnd.

Er trat als vorletzter Athlet der sogenannten Superadler zurück. "Der Abschied fällt mir schwer, obwohl ich Zeit hatte, mich darauf einzustellen. Es war eine intensive Zeit mit vielen Höhen und Tiefen, jetzt wird es Zeit für neue Wege", so Kofler. "Das Wichtigste, das ich mitnehmen kann, ist, dass man nie aufgeben soll." Daran hat er sich auch gehalten. Immerhin war Koflers Karriere von Aufs und Abs geprägt: So gelang ihm etwa der Sieg bei der Vierschanzen-Tournee 2009/10, den Kofler als einen der wichtigsten Karriere-Punkte bezeichnete, just in der Saison nach einem gröberen Tiefpunkt. Trotz Größen wie Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern als Kollegen und Rivalen brachte es der Fulpmer auf zwölf Weltcupsiege. Der erste gelang im Vorfeld der Olympischen Spiele von Turin 2006 in Willingen. Damals siegte er vor Morgenstern. "In Turin drehen wir es um", hätten sie damals gesagt, erinnerte sich Kofler. "Und so kam es auch wirklich."

"Ich stehe da, um den ersten Schritt in eine neue Zukunft zu machen", sagte Kofler. "Der Abschied fällt mir schwer. Aber es wird Zeit für neueWege." - © APAweb, Hans Klaus Techt
"Ich stehe da, um den ersten Schritt in eine neue Zukunft zu machen", sagte Kofler. "Der Abschied fällt mir schwer. Aber es wird Zeit für neueWege." - © APAweb, Hans Klaus Techt

Dass er den Einzel-Olympiasieg auf der Großschanze um einen Zehntelpunkt verpasste, schmerzt Kofler laut eigener Aussage nicht. "Im ersten Moment denkt man sich, wie soll man damit umgehen. Aber es ist egal, ob man mit dem kleinstmöglichen Abstand oder 30 Punkte zurückliegt. Wir waren damals so jung und haben gar nicht damit gerechnet, überhaupt eine Medaille zu gewinnen. Wir waren gemeinsam im Zimmer und konnten so den schönen Moment teilen", sagte er.

Letzter Sieg datiert von 2012

Der letzte Karriere-Erfolg gelang Kofler am 15. Dezember 2012 in Engelberg, das für ihn einen besonderen Platz einnimmt. In der Schweiz erreichte er am 17. Dezember 2016 als Dritter auch seinen letzten Einzel-Stockerlplatz. Im Herbst seiner Karriere wurde Kofler durch eine Autoimmunerkrankung zurückgeworfen und verlor dadurch ein Jahr. 2018 wurde er vom ÖSV aus dem Weltcupteam genommen und sprang noch im Kontinentalcup weiter. Das Autogramme-Schreiben wird er als angehender Polizist wohl nicht so bald verlernen.