Petra Kronberger im Gespräch mit Christine Dobretsberger. - © Robert Wimmer
Petra Kronberger im Gespräch mit Christine Dobretsberger. - © Robert Wimmer

Hat man als Spitzensportler überhaupt noch Privatsphäre?

Die Privatsphäre ist null. So habe ich das jedenfalls empfunden. Man kann eigentlich nirgends mehr hingehen, jeder erkennt einen, man wird ständig angesprochen, und im Grunde will man in diesem Moment nur die Ruhe haben, die man so dringend benötigt. Sich einfach zurückziehen zu können, war schwierig. Da habe ich nicht den richtigen Weg gefunden, aber das ist auch typabhängig. Andere gehen damit ganz anders um oder es macht ihnen weniger aus. Für mich war das eine riesige Herausforderung und hat zusätzlich zu den vielen Rennen Kraft gekostet. Ich bin ja alle Disziplinen gefahren und habe kein einziges Rennen ausgelassen. Damals war das noch nicht so, dass man das eine oder andere Rennen gegen ein paar Tage Regeneration eintauscht.

Ihnen ist das Kunststück gelungen, als erste Skifahrerin innerhalb einer Saison in allen fünf Disziplinen Weltcupsiege zu erringen. Diese Vielseitigkeit dürfte Ihnen auch in Ihrem jetzigen Leben zugutekommen. Nach Ihrem Karriereende haben Sie zunächst die Matura nachgeholt und danach Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Hatten Sie da ein spezielles Berufsziel im Auge?

Ich wollte immer schon studieren, bereits während des Skifahrens. Das Studium selbst ist mir dann eher zugefallen, weil ich durch meinen Freundeskreis viel mit Kunst in Berührung kam. Außerdem haben mich die einzelnen Epochen und Baustile immer schon interessiert. Also dachte ich mir, warum nicht Kunstgeschichte? Wenn man das mit Freude macht, wird sich später schon etwas Interessantes ergeben.

Einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen agieren nach der Karriere als ORF-Co-Kommentatoren. Wäre das für Sie keine Option gewesen?

Nein, ich hatte zwar eine solche Anfrage, wollte aber ganz bewusst komplett weg vom Sport. Parallel zum Studium arbeitete ich in Salzburg im Dorotheum und assistierte an der Uni. Nach dem Studium habe ich Museumsführungen gemacht, später dann u.a. in der Erwachsenenbildung gearbeitet, Ausstellungen kuratiert, war externe Lektorin für Sport, Kultur und Eventmanagement.

Wollten Sie auf Ihrem neuen Lebensweg etwas bewusst anders machen als im Leistungssport?

Ich wollte sicher davon weggehen, mich immer messen, mich über die Leistung definieren zu müssen und definiert zu werden. Das musste ich erst lernen, dass ich trotzdem genauso viel wert bin, wenn ich in der Leistungsstufe nicht ganz oben stehe. Wenn ich nicht gemessen werde an Bester, Zweitbester oder Drittbester, sondern daran, dass ich meine Arbeit mache - und zwar so, dass ich sage, ich habe alles reingelegt, das passt so. Ich habe nicht gewusst, worauf ich mich mit dieser Kombination einlasse: auf der einen Seite meine sportliche Erfahrungspalette und andererseits das Kunstgeschichtestudium. Ich war über 30, als ich mit dem Studium fertig war, im Grunde wartet da niemand darauf, dass eine Kunsthistorikerin in den Beruf einsteigt. Der Arbeitsmarkt ist beinhart, da muss man sich behaupten.