Wenn an diesem Wochenende in Sölden mit den Riesentorläufen der Damen und Herren die neue Saison im alpinen Skiweltcup eingeläutet wird (Samstag/Sonntag ab 10/13 Uhr/ORF1), beginnt hier auch eine neue Zeitrechnung. Kaum hat der achtfache Gesamtsieger Marcel Hirscher die Skibühne verlassen, haben sich im Ringen um die große Kristallkugel bereits seine Erben in Stellung gebracht - Alexis Pinturault (Fra) sowie der Norweger Henrik Kristoffersen. Dabei ist das Pensum mangels Olympia und WM heuer nicht weniger geworden, im Gegenteil: Die Herren fahren an 22 Schauplätzen gleich 44 Rennen, die Damen an 21 insgesamt 41, dazu kommt auch ein Mixed-Teambewerb.

Für die Nachfolger in Hirschers Skischuhen sind da freilich Klassiker wie Wengen und Kitzbühel oder Lake Louise, Val d’Isère und Garmisch sowie die Wertungsgewinne klar angepeilte Ziele. Darüber hinaus sind bei den Herren mit dem Gesamtweltcup, dem Riesentorlauf und Slalom - all diese Wertungen gewann zuletzt immer Hirscher - gleich drei Kugeln auf den Markt gekommen. Allein in der Abfahrt verteidigt der Schweizer Beat Feuz den Disziplinsieg, im Super G der Südtiroler Dominik Paris und in der Kombination Pinturault.

Kaum verändert hat sich die Konkurrenz im Damenlager. Hier räumte in den vergangenen Jahren die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin sowohl in der Gesamtwertung wie auch im Super G, Slalom und Riesentorlauf alles ab. Lediglich die Abfahrtskugel war dank Nicole Schmidhofer in der Vorsaison ins österreichische Lager gewandert, und die ist nun das große Begehren von Shiffrin in der am Samstag auf dem Rettenbachferner beginnenden Saison. In der Kombination lag wiederum die Italienerin Federica Brignone voran, allerdings wurde nur ein Rennen durchgeführt. Das soll sich in diesem Jahr ändern, wurden doch die Kombination im dichten Weltcup-Kalender wieder aufgewertet und insgesamt vier alpine Kombinationen bei den Damen und drei bei den Herren angesetzt. Dafür soll es freilich auch Kugeln geben. Nicht mehr im Programm sind die City-Events, bei denen sich die je 16 besten Läuferinnen und Läufer im Parallellauf trafen. Stattdessen wird es bei den Herren nur noch zwei Parallelbewerbe im Riesentorlauf sowie bei den Damen zwei im Slalom und einen im Riesentorlauf geben - als normale Weltcup-Station ohne Flutlicht-Romantik wohlgemerkt.

Gesamtweltcup vom Tisch

Angesichts der Lücke, die Hirscher hinterlässt, erhofft man sich im ÖSV zunächst einmal nur die eine oder andere kleine Kugel, die Gesamtweltcupsiege sind nicht (mehr) als Ziel ausgegeben. "Favoriten sind wir nicht, das sind andere", hielt Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher fest. "Aber wenn die schwächeln, dann bin ich überzeugt, dann kann es sein, dass der eine oder andere von uns dabei ist. Ich würde den Gesamtweltcup nicht ganz abschreiben. Wir werden, so lange und so gut es geht, darum mitkämpfen." Für den neuen Damen-Chef Christian Mitter ist die große Kugel momentan ebenfalls kein Thema - immerhin hat er auch eine von Verletzungen dezimierte Mannschaft übernommen. Zumindest sind Katharina Gallhuber und Cornelia Hütter auf gutem Weg zurück, in Sölden nicht am Start stehen wird aber Katharina Liensberger. Ihr fehlt noch ein Ausrüstervertrag.

Hirscher ist übrigens nicht der einzige Star, der andere Wege gegangen ist. Ihre Karriere beendet haben zuletzt auch der Norweger Aksel Lund Svindal, die US-Amerikanerin Lindsey Vonn, der Deutsche Felix Neureuther sowie der Kanadier Erik Guay. (rel/apa)