Sölden. Österreichs Alpinski-Damen haben beim Saisonauftakt in Sölden eine 3000 Meter hohe Achterbahnfahrt erlebt. Während Lokalmatadorin Franziska Gritsch und Speed-Spezialistin Ramona Siebenhofer beim Gletscher-Riesentorlauf mit Top-Ten-Plätzen überraschten, trübten Kreuzbandriss und Saisonausfall für Bernadette Schild die Stimmung. "Noch mehr Licht und Schatten geht fast nicht", sagte Christian Mitter.

Der neue Chef der ÖSV-Damen hatte in der Kerndisziplin Riesentorlauf mit Stephanie Brunner, Anna Veith und Katharina Liensberger ohnehin schon drei Topläuferinnen vorgeben müssen. Dann blieben mit Ricarda Haaser und Eva-Maria Brem auch noch die Besten unter den Erwartungen und am Ende verlor man mit Schild auch noch die Halbzeit-Beste.

"Speziell in Sölden muss man immer kämpfen und beißen. Da kann immer was passieren", war Mitter bewusst. "Uns sind vorher schon die Stärksten ausgefallen und dann einige im Rennen auch noch mehr oder weniger. Trotzdem sind wir mit zwei in den zehn. Da sieht man schon, dass etwas am Weg ist", beschrieb der Steirer bei seinem Debüt-Rennen als ÖSV-Damen-Rennsportleiter Licht und Schatten der aktuellen Situation.

Für Gritsch und Siebenhofer gab es viel Lob vom Chef. "Das waren von beiden sehr starke Leistungen mit diesen Startnummern. Vor allem wie sie sich im zweiten Durchgang präsentiert haben, darauf bin ich schon stolz." Siebenhofer hatte zudem ihren ersten Riesentorlauf seit drei Jahren bestritten. Mitter: "Als zweifache Abfahrtssiegerin einen zehnten im Riesen draufzulegen zeigt, welch skifahrerisches Können sie hat."

Die Steirerin konnte ihrem Auftritt natürlich nur Gutes abgewinnen. "Jetzt habe ich die Nervosität des ersten Saisonrennens abgelegt und den anderen etwas voraus", sagte sie grinsend. Ambitionen, nun auch noch den RTL in Killington zu fahren, hat sie aber keine. "Ich habe zwar zuletzt drei Wochen Riesentorlauf trainiert. Aber hauptsächlich, weil man diesen zentralen Grundschwung anders trainiert, wenn man dann auch ein Rennen fährt. Jetzt möchte ich mich wieder auf die langen Latten konzentrieren", blickt Siebenhofer schon nach Lake Louise bzw. das USA-Training davor.

"Wir wissen, was wir können"

Die Ötztalerin Gritsch war ziemlich aus dem Häuschen. "Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich hier zu Hause Siebente werde, wäre ich ausgeflippt und hätte es nicht geglaubt", sagte die Tirolerin grinsend. Die abendliche Siegerehrung der Top-5 verpasste sie knapp. "Auf so einem schweren Hang hilft es dir natürlich nicht, dass du als Kind schon da runter gefahren bist", beschrieb sie das Gewicht des "Heimvorteils. "Wichtig war, dass ich endlich im Rennen gezeigt habe, was ich drauf habe. Im ersten war da noch die Handbremse, die habe ich im zweiten gelöst."

Eine "Kabinenpredigt" habe es dafür nicht gebraucht, so Gritsch. "Bei uns muss niemand laut werden. Wir wissen, dass wir was können. Und die Trainer wissen, dass statt Auszucken gescheiter die Ruhe hilft. Und es hält das Team zusammen."

Der Schild-Ausfall sei natürlich bedauerlich, so Gritsch. "Für mich scheint die Sonne, für sie tut es mir einfach nur leid." Gritsch hat selbst schon einige schwere Verletzungen gehabt. 2014 brach sie sich das Wadenbein, drei Monate später rissen vorderes und hinteres Kreuzband. "Ich habe mich zurückgekämpft. Heute bin ich wieder gesund und sehr dankbar."

Dass Österreich trotz allem schon seit längerem keine Siegfahrerin im RTL hat, ist der Teamleitung bewusst. "Dass wir gerade drei Starke vorgeben, muss man bei der Beurteilung sicher bedenken", so Mitter. Aber: "Es nutzt nichts. Wir sind eben mit dieser Mannschaft am Start. Hättiwari bringt nichts."

Gut wäre für Mitter, wenn die nicht aus Verletzungsgründen sondern wegen ihres Materialstreits fehlende Katharina Liensberger so schnell wie möglich zurückkehre. Dazu muss die Vorarlbergerin bekanntlich bis 15. November den Rossignol-Vertrag unterzeichnen, sonst droht ihr eine Saison ohne Rennen. Mitter: "Ich hoffe schon, dass das so schnell wie möglich geregelt wird und sie in Levi wieder am Start steht." (apa)