Wenn am Wochenende im finnischen Levi die Slalomartisten in die neue Saison starten, werden auf ÖSV-Seite gleich zwei Top-Athleten ihr Comeback geben. Während Katharina Gallhuber nach überstandenem Kreuzbandriss schon am Samstag in den Weltcup einsteigt, werden die Augen von Anhängern und Trainern am Sonntag (beide Rennen ab 10.15/13.15 Uhr/ORF1) vor allem auf einen Mann gerichtet sein: Marco Schwarz. Ebenfalls nach einer überstandenen Kreuzband-OP ist auch er im Aufgebot für den ersten Slalom in Finnland. Den Riesentorlauf in Sölden vom Oktober hatten ja Gallhuber und Schwarz noch ausgelassen.

Zur Erinnerung: Schwarz hatte sich seine Verletzung beim Kombinations-Super-G in Bansko Ende Februar 2019 zugezogen - bei einem Sprung, der von zahlreichen Weltcup-Athleten als zu hart kritisiert wurde. "Ich stelle mir schon die Frage: Warum muss man so einen Sprung bauen?", meinte damals etwa Alexis Pinturault (Fra), der beim gleichen Sprung Glück hatte und der dann geändert wurde. Pinturault setzte sich damals in Bulgarien sogar durch und triumphierte auch beim bisher einzigen Saisonrennen in Sölden.

Nun gibt der dreifache WM-Medaillengewinner von Aare also in Levi sein Comeback. Dazu meldete sich Schwarz in Levi zunächst nur online zu Wort. "Keine Frage, ich möchte wieder um Siege mitfahren, weiß aber, dass ich speziell in der Kombination und im Riesentorlauf noch genügend Luft nach oben habe. Hier wirken sich die fehlenden Rennkilometer am stärksten aus", schreibt Schwarz, schon etwas von den Vergleichen mit dem zurückgetretenen Marcel Hirscher genervt, in seinem Blog und betont, sich in der Frage "sicher nicht" hetzen lassen zu wollen. "Ich wurde von den Medien in diese Rolle hineingedrängt, das motiviert einerseits, denn Marcel war ganz eindeutig der Beste. Aktuell kann ich gut mit der Situation und Erwartungshaltung umgehen, sollten die Fragen in diese Richtung aber nicht irgendwann aufhören, könnte es mühsam werden", so der ÖSV-Rennläufer.

Beim ersten Training am Hang von Levi am Freitag mit dabei waren neben Vizeweltmeister Mario Matt und dem (nach einer Knochenprellung wieder fitte) Christian Hirschbühl auch ein gut gelaunter Manuel Feller. Er wird am Sonntag sein erstes Rennen nach der Geburt seines Sohnes Lio erstmals als Vater bestreiten. "Es ändert sich in gewisser Hinsicht alles, in gewisser Hinsicht bleibt alles gleich. Man muss immer noch von A nach B fahren, mit 50, 60 Stangen dazwischen, und das so schnell wie möglich. Aber daheim wartet einer mehr auf mich, was mich freut", hatte Feller noch vor seiner Abreise in den hohen Norden gemeint. Er freue sich auf die gemeinsame Zeit mit der Familie und glaube, dass ihn dies auch beflügeln werde. Beim Training in Levi will er den "Feinschliff holen und dann Gas" geben.

Dass es für einen Stockerlplatz oder gar einen Sieg (samt Rentier) reicht, ist unwahrscheinlich. Bei den Herren gilt Henrik Kristoffersen als Favorit, bei den Damen dürfte das Match hingegen Mikaela Shiffrin (USA) gegen die Tschechin Petra Vlhová lauten.(rel)