Es war ein nicht ganz alltäglicher Grund, weswegen das für Mittwoch geplante Training für die erste Herren-Abfahrt im alpinen Ski-Weltcup nicht stattfinden konnte: Da aufgrund des Windes keine Helikopter hätten aufsteigen können und dadurch die medizinischen Notfallpläne A und B nicht durchführbar gewesen wären, blieben die langen Latten diesmal im Skikeller. Die weitere Wetterprognose ist aber gut, heute Abend soll in Lake Louise trainiert werden (20.15 Uhr).

Für den Internationalen Skiverband FIS ist es ein Lernen aus Fehlern der Vergangenheit, wie Chef-Renndirektor Markus Waldner erklärte. Die Piste  wäre befahrbar gewesen, der Nebel im oberen Teil hätte maximal zu einer Herabsetzung des Starts geführt, Absage wäre deshalb keine nötig gewesen. "Aber der Medical Plan sieht vor, dass man bei schweren Verletzungen den verletzten Läufer per Helikopter nach Calgary fliegt. Auch der Medical Plan B hat nicht funktioniert, weil bei diesen Straßenverhältnissen wäre die Ambulanz mindestens fünf Stunden auf dem Weg gewesen. Das war nicht akzeptabel", erklärte Waldner, der sich mit die Teamärzten abgesprochen hatte.

Die Rennläufer begrüßten mit Verweis auf die Sicherheit die Entscheidung. "Wenn nicht gewährleistet ist, dass der Abtransport passt, wenn was passiert, dann kann man das Training nicht durchführen", sagte etwa Hannes Reichelt. "Natürlich lernt man viel, und vor allem lernen die Organisationskomitees aus den Fehlern. Wir sind sehr strikt mit dem OK jetzt und gehen natürlich keine Kompromisse ein. Die Sicherheit der Fahrer ist die oberste Priorität", versicherte Waldner.

Probleme mit den Auflagen

In klassischen Weltcuporten wie Gröden, Kitzbühel oder Wengen sei man sehr gut aufgestellt, was Rettung und medizinische Notfallpläne betreffe. In Lake Louise gab es indessen in der Vergangenheit Probleme. Waldner erinnerte an den Salzburger Markus Dürager, der sich im Dezember 2015 bei einem Abfahrtssturz Schien-und Wadenbein im linken Bein gebrochen hatte. Es gab große Kritik am Veranstalter, weil der Transport via Banff nach Calgary fünf Stunden gedauert habe. "Solche Sachen dürfen nicht passieren", weiß Waldner.

Er reiste deshalb mit Speed-Renndirektor Hannes Trinkl bereits frühzeitig nach Lake Louise, "um dem OK ein bisserl auf die Finger zu schauen, dass sie das umsetzen, was wir uns vorstellen". Das betrifft natürlich genauso die Pistensicherheit: "Die Kälte setzt der Strecke zu, der Schnee trocknet aus, wir müssen gewissen Passagen schützen. Wir haben Vorstellungen, wie wir die Piste herrichten, wir haben das im Frühling diskutiert und wollen das den ganzen Winter durchziehen." Die Piste soll sich auch noch für die Damenrennen eine Woche später in gutem Zustand befinden.

Lake Louise befindet sich im Nationalpark Banff, weshalb große Auflagen gelten. "Hier wird sehr wenig getan, es sind ihnen ein bisschen die Hände gebunden. Es gibt zu wenig Schneekanonen, zu wenig Wasser, ein schlechtes Pumpsystem und eine veralterte Schneeanlage. Es ist sehr schwierig, das zu verbessern, wir müssen damit leben. Heuer hatten sie hier zum Glück einen frühen Wintereinbruch." (apa)