Erst wurden die Startzeiten nach hinten verschoben und die Strecke verkürzt, dann wurde der heutige Weltcup-Slalom der alpinen Ski-Herren in Val d'Isere wegen starken Windes ganz abgesagt.

Dabei hätten genau zehn Jahre nach Marcel Hirschers erstem Weltcupsieg in Val d’Isère - am 13. Dezember 2009 im Riesentorlauf - ebendort seine seine beiden einstigen Rivalen in die Fußstapfen des Ski-Giganten a. D. treten wollen: Für Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault wäre es am Wochenende beim traditionellen Kriterium des ersten Schnees nicht nur um Rennsiege im abgesagten Slalom (Samstag) und im Riesentorlauf (Sonntag) gegangen, sondern auch um die Übernahme der Pole Position im Gesamtweltcup. Ein Duell, das heuer erwartungsgemäß die Saison prägen dürfte und nun vor Weihnachten langsam Fahrt aufnimmt. Der bisherige Überraschungs-Führende Matthias Mayer hat die beschwerliche Anreise nach Savoyen nicht mitgemacht und wird daher ziemlich sicher seine Leaderposition verlieren.

Val d’Isère präsentiert sich dieser Tage - allen Klimawandel-Hysterien zum Trotz - tief verschneit. Am Freitag war die Auto-Anreise nur mit Schneeketten erlaubt. Um das Programm zu retten, wurde der Slalom auf der Face de Bellevarde vorsorglich auf Samstag vorgezogen - weshalb Österreichs Slalomherren auch schon am Donnerstag aufgebrochen sind. Allerdings waren sie danach zum Zuschauen verdammt, da wegen Lawinengefahr kein Training möglich war.

Zuschauer sind Michael Matt, Marco Schwarz und Co. auch im Kampf um die große Kristallkugel: Während Levi-Sieger Kristoffersen im Torlauf als großer Favorit gilt und seinen dritten Sieg in Val d’Isère (nach 2015 und 2016) anstrebt, ist Lokalmatador Pinturault jener, den es im Riesenslalom auf dem supersteilen Schlusshang der Olympiaabfahrt von 1992 zu schlagen gilt. Zumal der 28-Jährige ebendort schon 2016 und 2017 triumphieren konnte.

Sein heuriges "Streichresultat" hat Pinturault zuletzt in Beaver Creek als 17. eingefahren, als er - nach Rang vier im Super G - im Riesentorlauf mit den Schneebedingungen nicht zurechtkam. Auch der Norweger hat heuer schon einmal komplett ausgelassen, als er beim Gletscher-Auftakt in Sölden (beim Sieg von Pinturault) nur als 18. ins Ziel kam. Spätestens knapp vor Weihnachten in Alta Badia beziehungsweise bei den Slalom-Klassikern im Jänner wird man wissen, ob diese Resultate nur Eintagsfliegen waren und das prognostizierte Kugel-Duell zwischen dem Franzosen (aktuell Gesamt-Achter mit 164 Punkten) und dem Norweger (Vierter/193) tatsächlich auch eines wird.

Die österreichischen Hoffnungen in Val d’Isère konzentrieren sich fast ausschließlich auf den Samstag-Slalom, in dem heuer der erste Stockerlplatz der Technikertruppe gelingen soll. Matt ist dabei der einzige aktive Slalom-Sieger im ÖSV-Team - und kann Rang 11 in Levi vergessen lassen. Der Arlberger macht übrigens seine schon vor der Saison getätigte Ankündigung wahr und erweitert sein Repertoire - indem er auch im Riesentorlauf antritt. Österreichs Bester in Finnland, Torlauf-Spezialist Christian Hirschbühl als Siebenter, will diese Leistung bestätigen. Auch von Marco Schwarz erwarten sich die Trainer im Comebackjahr eine Leistungssteigerung, während Manuel Feller - in Val d’Isère normal aussichtsreichster ÖSV-Starter - nach Bandscheibenvorfall weiterhin passen muss.

Veith zurück im Super G

Die Damen-Rennen in St. Moritz stehen aus rot-weiß-roter Sicht ganz im Zeichen des Comebacks von Anna Veith auf Super-G-Latten. Die Olympiasiegerin von 2014, die in Nordamerika noch gefehlt hatte, verstärkt im Rennen am Samstag die bärenstarke ÖSV-Equipe: Mit Stephanie Venier (4.), Mirjam Puchner (5.), Tamara Tippler (6.) und Schmidhofer (8.) landeten zuletzt in Lake Louise gleich vier Österreicherinnen in den Top-Acht. Allerdings ist der letzte Weltcup-Sieg einer Österreicherin in St. Moritz (durch Michaela Dorfmeister) schon fast 14 Jahre her. (may/apa)