ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel hat seine Liebe zur alpinen Frauenmannschaft wieder erneuert. "Die Frauen halten uns im Nationencup vorne", sagte der Tiroler einen Tag nach dem überraschenden dritten Rang von Franziska Gritsch im Parallelslalom am Sonntag in St. Moritz. "Ich bin sehr zufrieden mit der Damen-Mannschaft - und ich hoffe, es geht so weiter." Nun, zufrieden muss der 78-Jährige sein. Zumal es ja nach dem Abgang von Marcel Hirscher nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Rot-Weiß-Rot erstmals seit 30 Jahren die Nationenwertung verliert. Es sei denn, die Damen performen heuer besser als gewöhnlich - und danach sieht es tatsächlich auch aus: Aktuell steuern Nicole Schmidhofer, Gritsch und Co. stolze 1262 Punkte bei, bei den hinter den Schweizern gereihten ÖSV-Herren sind es bisher nur 891 Zähler. Zusammen kommen die Österreicher auf 2153 Punkte, und das genügt für den ersten Gesamtrang. Noch.

Das knappe Rennen um die Nationenwertung ist daher auch der Grund, warum in den kommenden Wochen viele Augen auf den Damen ruhen werden. Sollte mit Gritsch in Graubünden ein neuer Star erwachsen sein, umso besser. Zumindest hatte kaum einer mit dieser Fahrt aufs Stockerl gerechnet, erst im Halbfinale scheiterte die Ötztalerin aus Umhausen an der Schwedin Anna Swenn-Larsson. Da bezahlte sie ihre Risikobereitschaft mit einem Sturz, was einen leicht lädierten Daumen nach sich zog. Doch schon im kleinen Finale wenig später feierte sie gegen die Meta Hrovat (Slo) wieder einen Sieg. "St. Moritz ist ein guter Boden für mich. In der Nähe meiner Heimat geht es besonders gut", meinte Gritsch, die im herkömmlichen Stil zwischen den Toren ihre Kurven zog. Die Technik, die Tore brachial wegzublocken, sei "nicht immer und überall die schnellste Variante", erklärte sie. "Das Hundertstelglück war Gott sei Dank auch auf meiner Seite." 0,02 Sekunden etwa brachten ihr im Sechzehntelfinale den Erfolg gegen die Schwedin Sara Hector. Geht es nach Gritsch, soll ihr nun bei den kommenden Rennen der Durchbruch gelingen. "Es ist hoffentlich nicht das erste und einzige Mal, dass ich bei der Siegerehrung dabei bin."

Die nächste Gelegenheit wartet beim Riesentorlauf am Dienstag in Courchevel (10.30/13.30 Uhr/ ORF 1). In den französischen Alpen wittern nicht nur Gritsch, Eva-Maria Brem und Katharina Huber ihre Chance. Auch Katharina Liensberger (am Sonntag Parallel-18.) sowie Katharina Truppe (11.) wollen sich hier noch besser in Szene setzen. "Der Riesentorlauf passt eigentlich ganz gut, es geht bergauf. Courchevel habe ich ganz gern, ich freue mich auf das Rennen", sagte Truppe.

Ersatzrennen in Hinterstoder

Auf ein zusätzliches Rennen vor heimischer Kulisse freuen dürfen sich wiederum die ÖSV-Herren. Wie die FIS am Montag bekannt gab, wird der am Samstag in Val d’Isère abgesagte Riesentorlauf am 1. März in Hinterstoder nachgeholt. Hier wird der drittletzte von nun wieder neun Saison-Riesentorläufen der Herren ausgetragen, danach folgen noch jene in Kranjska Gora sowie beim Weltcup-Finale in Cortina d’Ampezzo.

Der Sieg im Herren-Slalom von Val d’Isère ging am Sonntag vor Andre Mhyrer (Swe) und Stefano Gross (Ita) an den Franzosen Alexis Pinturault. Bester Österreicher wurde Michael Matt als Fünfter (+1,73 Sekunden).(rel)