Manchmal dauert es halt ein bisschen länger. Das gilt für das lange Warten von Vincent Kriechmayr, der sich am Freitag erst nach einer langen, mehr als eineinhalb Stunden währenden Rennunterbrechung gegen 15 Uhr zum Super-G-Sieg gratulieren lassen konnte; und das gilt auch für das ganze Rennen in Gröden, das die Jury bis zur einsetzenden Dämmerung und also immer schlechter werdenden Sicht bis zu Läufer Nummer 48 erst um halb vier Uhr Nachmittag abbrach. Eine Uhrzeit also, bei der normalerweise im Dezember ohne Flutlicht gar nicht mehr schnell zu Tale gerast wird.

Tatsächlich hätte der 28-jährige Mühlviertler nicht mehr viel darauf gesetzt, an diesem Tag das Rennen gegen den Nebel noch zu gewinnen. Zunächst war der zu Mittag auf der verkürzten Saslong gestartete Super G nach dem vierten Läufer für 47 Minuten wegen schlechter Sicht und leichtem Regen unterbrochen worden. Dann setzte sich Kriechmayr mit Nummer 7 dank einer starken Fahrt auf der Ciaslat-Wiese an die Spitze (der zweifache Gröden-Sieger Kjetil Jansrud kam bis auf fünf Hundertstel heran), ehe nach 20Läufern wieder Nebel einsetzte. Und zwar dichter und hartnäckiger. Als alle schon mit einem Abbruch rechneten - das Resultat wäre nicht gewertet worden - vertrieb plötzlich der Wind die Nebenschwaden, womit die Jury ein gültiges und alles in allem auch faires Rennen über die Bühne bringen konnte.

Dafür, dass so doch noch sein fünfter Weltcupsieg zustande kam, gebühre der Rennleitung eine Flasche Wein, meinte der Sieger letztlich augenzwinkernd. "Das haben sie sich verdient. Es war für sie irrsinnig schwierig, aber sie wollten das Rennen unbedingt durchdrucken", so Kriechmayr, der aber gestand: "So ein Rennen habe ich noch nicht erlebt. Heute habe ich einige graue Haare mehr dazugekriegt."

Der Sieg gibt naturgemäß auch Auftrieb für die Abfahrt am Samstag (11.45 Uhr/ORF1), wiewohl der Renn-Marathon die Vorbereitung beeinträchtigte. Immerhin brauche er nun nicht mehr zu trainieren, um Spannung aufzubauen, "denn ich habe genug Spannung durch das Warten aufgebaut", scherzte der Sieger. Ein Erfolgserlebnis gab es auch für Hannes Reichelt als Sechsten (+0,38), während Lake-Louise-Sieger Matthias Mayer als Elfter (+0,59) unter den Erwartungen blieb.

"Vinc" hat Kugel im Visier

Für den Gröden-Sieger gibt es heuer aber nur ein großes Saisonziel - eine Kristallkugel. Denn der Gramastettner ist zwar bereits zweifacher WM-Medaillengewinner (von Aare), im Kampf um Kristall ist er aber am Ende stets unterlegen. "Für das viele Lob habe ich noch sehr wenig erreicht", so Kriechmayr, der den ÖSV-Kristallwunsch im Speedbereich auch an die Teamkollegen weitergibt. "Das Ziel unserer Mannschaft ist ja eigentlich, dass wir um eine Kugel mitfahren. Es ist doch schon sehr lange her." Klaus Kröll 2012 (Abfahrt) und Reichelt 2008 (Super G) haben zuletzt Speed-Wertungen für Österreich gewonnen. Nach seinem Sieg lacht nun "Vinc" von der Spitze der Super-G-Wertung und sogar jener im Gesamtweltcup.(may)