In Gröden erwies sich das Wetter noch als Spielverderber, im Nachhinein gesehen hat die Absage des Klassikers im Val Gardena den Skifans aber ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk beschert. Denn auf der nicht minder traditionellen Stelvio in Bormio bekommen sie nun gleich zwei Abfahrten serviert – die erste auf verkürzter Strecke schon am Freitag (11.30 Uhr). Am Samstag folgt jene auf der traditionellen Strecke, am Sonntag dann noch eine alpine Kombination.

Obwohl die Veranstalter sich zum Auftakt für eine Sprint-Variante entschieden haben, um den Fahrern nicht zweimal hintereinander die 3270 Meter lange Strecke zuzumuten, wird es traditionell zur Sache gehen. Das zeigte sich schon im ersten und einzigen Training am Donnerstag, in dem der Franzose Roger Brice die schnellste Zeit vor Dominik Paris erzielte und in Christopher Neumayer als Sechstem, Matthias Mayer als Achtem und Routinier Hannes Reichelt als Zehntem drei Österreicher in die Top Ten fuhren.

Für Reichelt war der Weihnachtsfriede schnell vorbei, wie er im Ziel meinte: "Spätestens beim zweiten Tor weißt du, dass du in Bormio bist", sagte der 39-Jährige. Die Piste sei zwar nicht ganz so ruppig, wie man sie von früheren Rennen kenne, einfacher werde es dadurch aber nicht. "Man muss sich konzentrieren, es hat’s definitiv wieder in sich. Die Piste ist in sehr gutem Zustand, aber die Hoffnung, dass es in Bormio einmal ruhig ist, habe ich aufgegeben", meinte der Salzburger, der "zähe, aber definitiv schöne und spektakuläre" Rennen erwartet. Und das ist freilich ganz nach dem Geschmack des Routiniers, der 2012 – ex aequo mit Paris – für den 13. und bisher letzten rot-weiß-roten Abfahrtssieg in Bormio gesorgt hat.

Dass dieser Liste heuer ein weiterer hinzugefügt wird, hofft aber nicht nur Reichelt, sondern vor allem auch Mayer, der in Lake Louise als Fünfter schon am Stockerl angeklopft, in Bormio aber noch keinen Top-Drei-Rang zu Buche stehen hat. Mit seiner Form und seiner Trainingsfahrt ist der Kärntner Doppelolympiasieger zufrieden, darauf könne man aufbauen, wie er meint. "Es gibt sicher noch ein bisserl was zu tun, aber ich bin sehr zuversichtlich", sagte Mayer, der auch aufgrund der Lichtverhältnisse von einer der schwierigsten Abfahrten im ganzen Jahr sprach.

Hier zu reüssieren, würde auch in puncto Weltcupwertungen für einen guten Rutsch ins neue Jahr sorgen – im wahrsten Sinne des Wortes. Den im Gesamtweltcup voranliegenden norwegischen Technik-Spezialisten Henrik Kristoffersen, der keine Abfahrten im Programm hat, können der zweitplatzierte Vincent Kriechmayr und der viertgereihte Aleksander Aamodt Kilde abfangen. Der Franzose Alexis Pinturault, in der Gesamtwertung unmittelbar vor Mayer Vierter, ist angeschlagen, hofft aber, für die Kombination fit zu werden.

Lienz bereit für Shiffrin und Co.

Während der Kampf um den Gesamtweltcup bei den Herren also im Jahr eins nach Marcel Hirscher offen ist, ist und bleibt bei den Damen Mikaela Shiffrin die Gejagte – auch wenn sie zuletzt in Val d’Isère nicht dabei war und vorher nicht wie gewohnt überzeugt hat. Doch die nächste Chance, ihren Vorsprung auszubauen, hat die US-Amerikanerin am Samstag und Sonntag in Österreich, wenn in Lienz Riesentorlauf und Slalom auf dem Programm stehen.

An den Verhältnissen soll es jedenfalls nicht scheitern: Die Piste ist hart, die Wetterprognose gut. Die Schneekontrolle für die Jubiläumsrennen anlässlich "50 Jahre Skiweltcup" in Lienz war am 20. Dezember positiv verlaufen. In der letzten Kälteperiode war viel Schnee produziert worden, für Rennorganisator Siegfried Vergeiner war dies der wichtigste Punkt im Rahmen der Präparierungsarbeiten. "Und dann haben wir von Petrus viel Wasser bekommen", sagte Vergeiner am zweiten Weihnachtsfeiertag zur Austria Presse Agentur. Der Regen sorgte für Verfestigung, anschließend kam auch noch der Sprühbalken zum Einsatz.

Letzte Feinjustierungen werden am Freitag vorgenommen, dann steht auch bei den Damen dem offiziellen Ende der kurzen Weihnachtsferien nichts mehr im Weg. (art/apa)