Matthias Mayer hat es schon geahnt: "Es kommen noch Kaliber", sagte der Kärntner als Führender der Abfahrt in Bormio am Freitag, ausgerechnet in jenem Moment, in dem sich das aller Voraussagen nach größte Kaliber aus dem Starthaus katapultierte. Und die Prognosen sollten sich bewahrheiten: Dominik Paris legte mit Startnummer elf einen wilden Ritt über die verkürzte Stelvio hin, mit dem er Mayer um 42 Hundertstelsekunden abfing. An seine Zeit - insgesamt 1:49,56 Minuten - sollte auch danach niemand mehr herankommen, Paris sich schließlich seinen vierten Abfahrtssieg in Bormio sichern.

Mayer rutschte hingegen noch auf den dritten Platz hinter dem Schweizer Beat Feuz, hatte dennoch keinen Grund zur großen Enttäuschung. Zuvor hatte der Doppelolympiasieger aus Kärnten auf der Stelvio noch nie einen Stockerlplatz erreicht.

Paris indessen erwies sich trotz einer nicht idealen Linie in der Traverse wieder einmal als Spezialist für die Stelvio, auf der er 2012 - ex aequo mit Hannes Reichelt - seinen ersten Abfahrtssieg gefeiert und nun nach 2017 und 2018 zum dritten Mal hintereinander gesiegt hatte."Es ist da herunter einfach sein Wohnzimmer", sagte Mayer anerkennend. Bei seinem eigenen Lauf habe er gedacht, "es hat eigentlich ganz gut gepasst, aber er (Paris, Anm.) hat einfach von Zwischenzeit zu Zwischenzeit noch etwas herausgeholt und das bis ins Ziel dann gewaltig verwaltet".

Die Läufe wolle er nun noch einmal analysieren, um für Samstag gerüstet zu sein, wenn die Abfahrt über die klassische Strecke gefahren wird. Auf Wiedergutmachung wird dann auch Vincent Kriechmayr aus sein: Der Oberösterreicher konnte am Freitag nicht an seine konstant guten Leistungen in dieser Saison anschließen und schied aus, kam aber mit dem Schrecken davon - auf der Stelvio auch schon ein kleiner Sieg.