Altersmäßig trennen sie keine zehn Jahre, doch gefühlt sind es drei Generationen an heimischen Skispringern, die ab diesem Wochenende dem neuen Sportjahr nicht nur symbolisch entgegenspringen: Philipp Aschenwald, Michael Hayböck, Daniel Huber, Jan Hörl, Stefan Kraft, Clemens Leitner und Gregor Schlierenzauer vertreten Österreich bei der am Samstag mit der Qualifikation (16.30 Uhr) und am Sonntag (17.30 Uhr) mit dem ersten Bewerb in Oberstdorf beginnenden 68. Auflage der Vierschanzentournee. Schlierenzauer, der am Tag nach dem Abschlussbewerb, dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen, seinen 30. Geburtstag begeht, steht ein bisserl für die Vergangenheit, wenngleich er sich langsam an frühere Stärke herantastet, Aschenwald und Hörl könnten die Zukunft darstellen. Die Gegenwart aber heißt nach wie vor Kraft. Der Sieger von 2014/15 ist auch diesmal Österreichs aussichtsreichster Springer, der Mix im rot-weiß-roten Team aber gut wie wohl schon lange nicht mehr.

Auch das nährt die Hoffnungen, dass die Adler einander quasi gegenseitig tragen - ein wichtiger Erfolgsfaktor in früheren erfolgreichen Zeiten, in denen Rot-Weiß-Rot auf dem Siegerstockerl nicht wegzudenken war. Insgesamt 16 Gesamtsiege gingen bei dem Traditionsbewerb auf das Konto des österreichischen Skiverbandes, errungen von zwölf verschiedenen Siegern. Zwischen Wolfgang Loitzl 2008/09 und Kraft 2014/15 gab es ausschließlich rot-weiß-rote Gesamtsiege, Schlierenzauer triumphierte 2011/12 und 2012/13 zweimal hintereinander. Von seinen besten Zeiten ist der Tiroler freilich weit entfernt, sein 53. und bisher letzter Weltcupsieg ist fünf Jahre her.

Seit heuer spürt er allerdings wieder Aufwind, unterstützt wird er auf seinem Weg zurück auch von Werner Schuster, seinem einstigen Trainer in Stams und zuletzt Erfolgscoach der Deutschen. Über den Sommer habe das neue Dreamteam, das eingebettet in den Verbandsstrukturen arbeitet, "die Grundlagen geschaffen", wie Schuster schon im November in einem Interview mit der Tageszeitung "Standard" erzählte. "Wir haben etwas runtergeschraubt auf ein, ich sage mal, Standard-Set-up, um wieder den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Beim Gregor musste man zuerst entrümpeln", sagte Schuster. Für Schlierenzauer selbst passen "Kurs und Richtung", wie er sagt. "Es war klar, dass gerade die Konstanz eine Frage von Geduld und Beharrlichkeit ist und dieser Prozess nicht von heute auf morgen geht." Ohne Druck gehe es sich befreit in die Vierschanzentournee, meint der Tiroler, der früher oft überehrgeizig und verbissen an die Sache herangegangen ist. Diesmal steht eindeutig der Genuss im Vordergrund. "Ich freue mich auf dieses spezielle Flair, den dieses ganz spezielle Ereignis ausstrahlt. Wir haben innerhalb weniger Tage sehr viele Sprünge - das ist genau das, was ich aktuell brauche."

"Sieg muss passieren"

Ähnliche Vorfreude verspürt sein 26-jähriger Teamkollege Kraft, auch er spricht von einem besonderen "Kribbeln". Die Erwartungen liegen nach einem Sieg, zwei zweiten Plätzen und der kurzfristig errungenen, danach wegen eines Sturzes sogleich wieder abgegebenen Weltcupführung höher als bei den anderen Österreichern. "Mit so einem großen Selbstvertrauen wie heuer bin ich noch nie zur Tournee gefahren", sagt Kraft, der zumindest in der Theorie glaubt, dass im ÖSV-Team viele Ingredienzien für einen Erfolg beisammen sind: "Ein gutes Selbstvertrauen, Stabilität, guter Teamgeist, Riesengaudi - alles ist da. Aber im Endeffekt muss ein Tourneesieg einfach passieren." Wichtig sei dabei auch, "sich die Kräfte so einzuteilen, dass man am Schluss voll da ist. Das kann ich auf alle Fälle." Derjenige, dem das im vergangenen Jahr am besten gelungen ist, ist und bleibt aber Ryoyu Kobayashi, der in der Vorsaison alle vier Springen gewonnen und auch heuer nach dem Sturz Krafts in Engelberg die Gesamtführung im Weltcup inne hat. Von ihm will sich der Salzburger im Sommer auch einiges abgeschaut haben. "Das Ski-Aufkanten, das Oben-raus-Fliegen, was ihn so stark macht, habe ich mir den ganzen Sommer über eingebrannt", sagt Österreichs aktuell stärkster Springer. Allzu viel auf die Konkurrenz schauen will er aber nicht, vielmehr gelte es, das Vertrauen in die eigenen Qualitäten zu haben. Und diesbezüglich ist er zuversichtlich: "Was wir im Sommer gemacht haben, trägt Früchte."(art/apa)