So ein Start ins neue Jahr kann ganz schön mühsam sein. Diese Erfahrung machen die ÖSV-Adler schon seit Jahren - beim traditionellen Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gab es zuletzt meist enttäuschte Gesichter und zerstörte Tournee-Hoffnungen. Der letzte rot-weiß-rote Sieg auf dem einstigen Erfolgsbakken datiert auf das Jahr 2014 durch Sensationsadler Thomas Diethart; Österreichs Bester und zugleich letzter Gewinner der Vierschanzentournee (2015), Stefan Kraft, erlebte 2018 und 2019 auf der Olympiaschanze gleich zwei Neujahrsflops in Form der Plätze 31 und 49, die schon zur Halbzeit alle Tournee-Ambitionen zunichtemachten. Und auch heuer war der Sprung ins neue Jahr wieder ein enttäuschender für den 26-jährigen Salzburger. Nach Rang vier zum Auftakt in Oberstdorf ist ein 13. Platz klar zu wenig, um beim Dreikönigsspringen in Bischofshofen noch um die goldene Adler-Trophäe mitspringen zu können.

Da auch Philipp Aschenwald als 25. seine Chancen auf den Gesamtsieg begraben hat, darf Garmisch langsam aber sicher als Trauma-Schanze für den ÖSV gelten. Einziger rot-weiß-roter Lichtblick am Mittwoch war Daniel Huber als Sechster, der mit Weiten von 136,5 und 134 Metern halbwegs mit der Spitze mithalten konnte. Zum strahlenden Überraschungssieger mutierte der Norweger Marius Lindvik, der in einer spannenden und hochklassigen Konkurrenz nach Einstellung des Schanzenrekordes (143,5 Meter) im Finale die Nerven bewahrte und seinen Weltcup-Premierensieg vor Lokalmatador Karl Geiger feierte. Und damit Ryoyu Kobayashi nach fünf Tournee-Einzelsiegen in Serie entthronte.

Der japanische Tagesvierte bleibt in der Gesamtwertung zwar in Front, Geiger rückte jedoch bis auf 6,3 Punkte heran. Kraft - leicht verkühlt in den Wettkampf gegangen - fehlen als Fünften bereits 33,4 Punkte. Der Pongauer war mit seiner Leistung klarerweise unzufrieden: "Ich habe heute nicht die richtige Mischung gefunden zwischen Attacke und braven Sprüngen." Er hofft nun auf Erfolge in Österreich, denn "auf die Gesamtwertung schaue ich nicht mehr". ÖSV-Cheftrainer Andreas Felder hat den Tournee-Sieg ebenso abgehakt, hält aber einen Stockerlplatz noch für möglich.

Interesse an Tournee-Karten zieht wieder an

Vor allem dem guten Abschneiden der Deutschen dürfte das wieder größere Zuschauerinteresse an der 68. Auflage der Traditionsveranstaltung geschuldet sein. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit 110.000 Menschen, die den Springern live zusehen möchten. Jedenfalls einen neuen Rekord dürfte es bei den Besucherzahlen für die Qualifikationstage geben. Während die Vorausscheidung an den beiden deutschen Stationen Oberstdorf (15.500 Zuseher) und Garmisch (10.000) bereits seit längerem regelmäßig die Massen anzieht, hielt sich der Absatz diesbezüglich in Österreich in Grenzen. "Die Kombitickets mit Qualifikation und Wettkampf werden so gut angenommen wie nie", berichtete Tournee-Pressechef Ingo Jensen. In Bischofshofen werden am Sonntag am Vorwettkampftag bis zu 6000 Zuschauer erwartet - das wäre Rekord.

Und für die Konkurrenzen dürften die Zahlen der vergangenen beiden Jahre - ohne rot-weiß-rote Erfolge - übertroffen werden. In Tirol erwarteten die Veranstalter für Samstag "ein ziemlich volles Haus" mit etwa 22.000 Zuschauern. Und zur Paul-Außerleitner-Schanze könnten am Schlusstag etwa 20.000 Zuschauern pilgern - womit man von der 25.000er-Marke zu Super-Adler-Zeiten nicht mehr weit entfernt wäre.