Nach dem Zitter-Bakken in Garmisch kommt immer die Heimschanze: Und dort gibt es für die ÖSV-Adler nach der neuerlich in Bayern liegengelassenen Siegchance bei der Vierschanzentournee zumindest die Gelegenheit zur Rehabilitierung. Oder noch besser zu einem Heimsieg auf dem Bergisel, auf den die rot-weiß-roten Fans ohnedies schon seit 2013 - durch den Tiroler Gregor Schlierenzauer - warten müssen. Tatsächlich gibt es einige Silberstreifen am Innsbrucker Horizont, die ein Erfolgserlebnis am Samstag (14 Uhr/ORF1) auf der dritten Station der Traditionsveranstaltung erhoffen lassen.

Da wäre einmal Österreichs Bester Stefan Kraft, der im Vorjahr schon einen ganz anderen Garmischer Rückschlag (zweiter Durchgang verpasst) wegsteckte, um am Bergisel als Zweiter aufs Stockerl zu segeln. So wie anno 2015, als er als bisher letzter ÖSV-Springer danach auch die Tournee holen konnte. So gesehen könnte Kraft, der zwar 17 Weltcupsiege vorzuweisen hat, aber noch keinen einzigen in der Heimat, auf dem Olympiabakken für eine Premiere sorgen. Dass er es sich nach dem Rückschlag beim Neujahrsspringen inklusive leichter Verkühlung tatsächlich zutraut, spricht wiederum für sein intaktes Selbstvertrauen: "Ein Heimsieg ist schon mein Traum. Aber ich höre ja nicht nächstes Jahr auf", sagt Kraft und erinnert an seinen Tournee-Erfolg von 2014/15. "Es war unglaublich, wie ich in Bischofshofen ganz oben gestanden bin, ins rot-weiß-rote Fahnenmeer geblickt habe und jeder die Hymne mitgesungen hat. Ich bin schon ein Patriot, so ein Heimsieg wäre schon geil."

Kraft mit größter Quali-Weite

Recht viel andere Ziele gibt es diesmal freilich eh nicht mehr - denn die Tournee-Gesamtwertung darf bei mehr als 33Punkten Rückstand auf Ryoyu Kobayashi als erledigt betrachtet werden; auch der bärenstarke Deutsche Karl Geiger dürfte enteilt sein. "Kobayashi und Geiger sind echt super in Form, die werden nicht mehr zu biegen sein", meint der 26-jährige Pongauer, der am Freitag in der Qualifikation - trotz eines Pendlers am Vorbau - mit 132,5 Metern den weitesten Satz in den angekarrten Schnee setzte.

Mit dem zweiten Platz hinter dem norwegischen Garmisch-Sieger Marius Lindvik war Kraft naturgemäß sehr zufrieden - er sprach sogar von "Glücksgefühlen": "Ich habe gleich gut reingefunden und weiß, dass ich in sehr guter Form bin."

Auch Philipp Aschenwald konnte als Dritterbester mit einer Weite von 131 Metern wieder aufzeigen. Der Sechste von Oberstdorf hat nach dem Aussetzer in Garmisch (25.) reelle Stockerlchancen, so die Nerven des Zillertalers halten.

Insgesamt konnten sich 10 von 13 ÖSV-Athleten für die Konkurrenz qualifizieren - darunter mit Schlierenzauer (33.), Michael Hayböck (23.) und Daniel Huber (35.) drei Springer, die eine besondere Beziehung zum Bergisel haben: Schlierenzauer hat als Lokalmatador schon drei Mal in seinem "Wohnzimmer" gewonnen - heuer soll es auf seinem Weg zurück ein Genussspringen werden. "Für mich ist es ein Genuss, wenn ich wieder ins Fliegen komme. Es ist zu Hause immer schöner."

Hayböck wiederum hat am Bergisel mit 138 Metern den Schanzenrekord inne - und hofft ebenso, auf seinem Lieblingsbakken wieder Fluggefühle zu spüren. So wie im Vorjahr Daniel Huber bei der Heim-WM, als er das Team mit zwei weiten Sätzen zu Silber führte. Auch der Salzburger ist in Vorfreude auf das Spektakel: "Es wird sicher wieder megalaut. Mir taugt’s generell dort", schwärmt Österreichs Bester (6.) von Garmisch.(may)