Dawid Kubacki hat die 68. Vierschanzentournee der Skispringer in eindrücklicher Manier gewonnen. Mit dem Tageserfolg beim Tournee-Finale am Dreikönigstag in Bischofshofen holte der Pole einen überlegenen Gesamtsieg vor dem jungen Norweger Marius Lindvik und vor Karl Geiger aus Deutschland. Selbst in der Stunde des Erfolgs, den goldenen Adler der Tournee vor sich stehend, wollte der 29-Jährige nicht abheben. "Es war wichtig, dass ich fokussiert war, auf das, was ich auf der Schanze machen muss", sagte Kubacki und maßregelte sich quasi selbst: "Ich muss immer fokussiert sein. Meine Sprünge und Landungen bei dieser Tournee waren nicht perfekt."

Sein Sieg war gewiss nicht so perfekt wie jener des entthronten Japaners Ryoyu Kobayashi ein Jahr zuvor. Aber mit Sicherheit die Folge von beeindruckender Konstanz. Dritter, Dritter, Zweiter, Erster. Ein Steigerungslauf von Oberstdorf über Garmisch, den Bergisel bis nach Bischofshofen führte Kubacki hinauf aufs oberste Treppchen.

ÖSV-Adler hadern mit Blech

Während die polnischen Springer ihren Helden auf Schultern durchs Stadion trugen, mussten die ÖSV-Adler im Interviewmarathon nach dem Herzschlagfinale Fragen nach den verpassten Zielen beantworten. Lokalmatador Stefan Kraft war zum dritten Mal bei dieser Tournee als Vierter am Podest vorbeigesprungen.

"Dreimal Vierter ist schon ein bisschen ungut", erklärte der geschlagen wirkende Salzburger danach. Ihm blieb nichts Anderes übrig, als abermals der Konkurrenz zu Spitzenleistungen zu gratulieren. "Die anderen waren einfach besser und immer ein paar Pünktchen vorn. Sie sind in einen Rausch gehupft, da konnte ich nicht mit", sagte Kraft. Er schloss die Tournee als Gesamt-Fünfter ab.

Das ÖSV-Team blieb auch zum Abschluss einer ernüchternden Tournee-Auflage wie vor zwei Jahren ohne Stockerlplatz. Damals war eine bis zur Saison 2005/06 zurückreichende Serie gerissen. "Wir haben es bei der Tournee nicht ganz rübergebracht, einige waren ein bisschen verkrampft, waren nicht so locker wie im Vorfeld", sagte Cheftrainer Andreas Felder.

Die ausgegebene Top-drei-Platzierung auch im Gesamtklassement verpasst, landete auch sonst kein Österreicher außer Kraft im Spitzenfeld. Mit Philipp Aschenwald (11. ) und Michael Hayböck (18.) rangierten nach den vier Schanzen nur zwei weitere Österreicher in den Top 20.

Österreich liegt in der Nationenwertung noch vorne

Österreich führt nach dem guten Saisonstart nach wie vor die Nationenwertung an. Doch in Bischofshofen war es den Verfolger-Nationen Norwegen, Polen, Japan, Deutschland vorbehalten gewesen, sich den Tourneesieg untereinander auszumachen. Sie stellten in Lindvik, Kubacki, Kobayashi und Geiger jeweils einen Springer. Ein Quartett, das vor dem Finale gerade einmal 13,7 Punkte auseinander lag.

Kobayashi fiel aus Elfter nach dem ersten Durchgang aus dem Kreis der engsten Anwärter. Letztlich reichte es für den Überflieger der vergangen Saison nur zu Tagesrang sieben und Gesamtrang vier. Der 21-jährige Norweger Lindvik, der am Montag seine ersten Bewerbssprünge auf der Paul-Außerleitner-Schanze tat, wahrte mit Tagesrang drei Gesamtrang zwei, um 2,6 Punkte vor dem deutschen Tageszweiten Geiger.

Lindvik und Geiger sprangen auch im Finaldurchgang stark, doch mit Kubacki kam keiner mit. Mit zweimaliger Bestweite (143/140,5) baute er seinen Vorsprung sogar noch auf 20,6 Punkte aus. Und fixierte mit seinem erst zweiten Weltcupsieg den insgesamt vierten polnischen Tournee-Triumph nach Adam Malysz (2000/01) und Kamil Stoch (2016/17, 17/18). Wirklich übermütig wirkte er auch knapp zwei Stunden nach dem entscheidenden Sprung nicht. "Vielleicht werde ich es in ein paar Tagen realisieren." (apa)