Bei der Premiere vor 40 Jahren ist es nicht geglückt: Sowohl in der ersten Abfahrt von Zauchensee anno 1980 (Siegerin die Tschechoslowakin Jana Soltysova) als auch im darauffolgenden Slalom (den die Französin Perrine Pelen für sich entschied) schafften es die ÖSV-Damen nicht aufs Siegerfoto. Diesmal - auch ob des begangenen Jubiläums - soll, ja muss, für die rot-weiß-rote Damen-Truppe in Zauchensee ein Erfolgserlebnis her. Wenn möglich soll die stärkste Speed-Equipe im Weltcupzirkus gleich in der ersten Abfahrt des Jahres am Samstag (11.45 Uhr/ORF1) zuschlagen. Das fordert jedenfalls auch Erfolgscoach Roland Assinger: "Ich stehe dazu, dass mit dieser Mannschaft ein Podest Pflicht sein sollte."

Am Sonntag wartet auf der Kälberloch-Strecke noch die Kombination (mit Super G/9.15 Uhr), ehe am Dienstag der Reigen in der Skiwelt Amadé mit dem traditionellen Nachtslalom in Flachau abgeschlossen wird.

Außer dem Heimvorteil spricht auch die Statistik für Assingers Damen, die gleich sieben der jüngsten zehn Abfahrten gewinnen konnten. Zudem stellt man auf der anspruchsvollen Strecke vom Gamskogel mit Christine Scheyer - die Vorarlbergerin feiert ihr Comeback nach Verletzungspause - die Titelverteidigerin (2017 gelang der bis dato letzte Heimsieg) sowie mit Nicole Schmidhofer eine Topfavoritin. Die Steirerin hat vor Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer nicht nur die Abfahrts-Gesamtwertung des vergangenen Winters gewonnen, sondern auch die Abfahrt in Lake Louise.

Speed-Ski macht sich bezahlt

Zudem mag Schmidhofer, die am Freitag im Abschlusstraining bei einem Sturz unverletzt blieb, Rennen im Pongau, wo sie 2007 als 17-Jährige bei der Junioren-WM groß abgestaubt hat. "Die Abfahrt hier hat eigentlich alles. Sprünge, technische Passagen, Gleitstücke. Einfach alles, was eine gute Abfahrt braucht."

Dazu kommt, dass Schmidhofer dank ihrer Speedski-Erfahrung mit fast 220 km/h auch den supersteilen Startschuss mittlerweile mit Freude angeht. "Der Hang in Vars war viel länger und steiler. Meine WM-Teilnahme hat sich ausgezahlt. Denn was mir früher extrem steil vorgekommen ist, fühlt sich für mich heute nicht mehr so wild an." Schmidhofer kämpft am Samstag nicht nur mit Snowboard-Ikone Ester Ledecka um das rote Trikot der Abfahrts-Führenden, sie führt auch eine weiterhin starke ÖSV-Abfahrtsarmada an. "Es sind zur Zeit alle so stark, dass wir jedes Rennen gewinnen können", meint die 30-Jährige. Nach Schmidhofers zweitbester Fahrzeit am Vortag war Siebenhofer am Freitag vor Ledecka und Tamara Tippler die Schnellste. Die Salzburgerin sieht nach ihrer Fahrt zwar noch Luft nach oben, weiß aber auch, den Erfolg nicht erzwingen zu können: "Ich muss jetzt nur aufpassen, dass ich am Samstag nicht zu viel will." Grundsätzlich sei diese Abfahrt für sie aber Genuss-Skifahren pur. "Ich grinse hier vom Start bis ins Ziel", so Siebenhofer.

Für Coach Assinger war heuer vor allem wichtig, das Niveau in der Erfolgstruppe zu halten - auch, wenn die Latte diesmal besonders hoch liegt. "Dadurch steigen auch die Erwartungen. Schmidi und Stephanie Venier haben auch diese Saison gezeigt, dass wir weiter dabei sind." Vor allem Schmidhofer sei im Kopf gereift. "Sie kann mit Druck mittlerweile gut umgehen, sich abkapseln und so gut fokussieren, dass sie bereit ist, wenn die Uhr tickt. Zudem ist hier in Zauchensee auch Mut gefragt. Auch den hat sie."

In der Breite liegt der Erfolg

Der größte Vorteil sei aber trotz einiger Verletzter die Breite, so Assinger. "Wir haben mehrere Läuferinnen mit Weltcupsiegen, Tamara Tippler zählt nur durch Fehler noch nicht dazu. Dazu gibt neuerdings auch eine Nina Ortlieb den Älteren Gas. Ich bin wirklich sehr zuversichtlich."

Den Heimvorteil hat man übrigens auch dahingehend genutzt, ein zusätzliches Kriterium - den Hotair-Sprung - einzubauen und diesen neuen Abschnitt intensiv zu trainieren. "Das war aufwendig, hat sich aber gelohnt. Die Mädels haben sich von Fahrt zu Fahrt gesteigert", sagt Neo-OK-Chef Michael Walchhofer. Der Ex-Weltmeister und Zauchenseer Hotelier ist daher zuversichtlich, dass das Sondertraining Früchte trägt und - anders als 1980 - eine Österreicherin am Stockerl ganz oben steht.(may)