Schon rein sportlich gibt dieses Duell viel her: Hier die Seriensiegerin, die sich nach 64 Weltcuperfolgen anschickt, die Allzeit-Beste zu werden; dort die gleichaltrige (24) Herausfordererin, die es immer wieder schafft, die Kreise - und großen Pläne - der Dominatorin zu stören. Die Rede ist natürlich von Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova, die sich auch heuer ein packendes Duell im Stangenwald liefern, das mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt. Zuletzt in Zagreb hatte Vlhova die Nase vorne, die ihrer Rivalin dank 1,31 Sekunden Rückstand einiges zum Nachdenken gab.

Nun kommt es am Dienstag in Flachau (18/20.45 Uhr, ORF 1) zur brisanten Neuauflage des Duells der beiden Kontrahentinnen - brisant deshalb, weil in den vergangenen Tagen eine Spionageaffäre die Beziehung der beiden Lager empfindlich gestört hat.

Das Shiffrin-Lager ist jedenfalls schon seit längerem not amused, dass der mit allen Wassern gewaschene Vlhova-Betreuer Livio Magoni die US-Amerikanerin im Training gezielt auskundschaftet. Shiffrin selbst heizte die Debatte zuletzt an, indem sie im US-Fernsehen meinte: "Das, was ich mit meinen Skiern tue, sehe ich als mein eigenes Hab und Gut." Schon vor einem Jahr wurde Shiffrin in Flachau von Vlhova im Duell um den mehr als 70.000 Euro betragenden Siegerscheck und den Titel der Snow-Space-Salzburg-Princess niedergekämpft. Vlhova ist auch die Einzige, die Shiffrin im Slalom biegen kann - fünf Mal ist ihr das gelungen, seit Frida Hansdotter im Jänner 2017 den Flachau-Slalom gewinnen konnte.

Auffallend ist, dass Magoni die Vorwürfe weder bestreitet, noch ein schlechtes Gewissen zeigt. Von geheimer Spionage könne zudem gar keine Rede sein. "Mika ist die Beste, und für uns ist wichtig, dass wir lernen", sagte Magoni kürzlich gegenüber NBC. "Ich schaue mir zwar alle guten Damen an, Mikaela aber ganz intensiv", meinte der einstige Erfolgscoach von Tina Maze. Das Vlhova-Lager nutzt damit aus, dass man im Skirennsport nicht hinter verschlossenen Türen trainieren kann wie im Fußball oder bei Hallensportarten und oft gemeinsam auf Pisten trainiert. "So ist das. Auch wir werden beobachtet. Es gibt kein Gesetz, das das verbietet", so Magoni, der nüchtern meint: "Es ist unser Job." Allerdings könnte die Affäre durchaus auch etwas hochgezwirbelt worden sein, denn zuletzt gaben sogar die Schweizer zu, Shiffrin zu filmen - so wie andere Nationen es auch machten. "Das ist Standard, ganz normal", meinte etwa Wendy Holdener.

Für Shiffrin scheint der Ärger über die Trainingsspionage ohnedies nicht mehr so wichtig zu sein: "Ich gehe in Flachau mit der gleichen Einstellung wie immer ins Rennen und werde versuchen, einfach mein bestes Skifahren zu zeigen", sagte sie. Und gebracht hat den beiden das Ganze bei der Generalprobe - der Kombination von Zauchensee - auch nichts, denn beide fielen am Sonntag (beim Sieg von Federica Brignone) aus. Österreichs Hoffnungen auf den ersten Heimsieg seit 2011 (Marlies Schild/Raich) - und damit die lachende Dritte im Gigantinnenduell zu werden - ruhen auf Katharina Liensberger. Sie war zuletzt in Zagreb so wie vor einem Jahr in Flachau Dritte - jeweils hinter Vlhova und Shiffrin.(may)