Daniel Yule gewinnt am Sonntag als erster Schweizer seit Marc Berthod anno 2008 wieder ein Heimrennen in Adelboden; der 26-Jährige schreibt damit auch Geschichte, denn nie zuvor hat ein Eidgenosse drei Slalom-Siege in seiner Karriere feiern können; und zum Drüberstreuen überflügeln die in den vergangenen 30 Jahren stets den Österreichern unterlegenen Schweizer diese im Nationencup immer deutlicher - im nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher heuer besonders umfehdeten Kampf um diese Kristallkugel führen die Schweizer nunmehr mit 36 Zählern. Und jetzt erst kommt Wengen. Also das, was Kitzbühel den Österreichern ist - ein nationales Prestigerennen, bei dem bei der Siegerehrung unbedingt das Schweizerkreuz am höchsten gehisst werden muss.

Defizit trotz Rekordbesuchs

Noch dazu sind die am Freitag mit der Kombination beginnenden heurigen Lauberhornrennen diesmal etwas Besonderes, steht doch das 90. Jubiläum an (Kitzbühel begeht eine Woche danach erst den 80er). Anders als am Fuße des Hahnenkamms wird aber im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau heftig gestritten - und wie so oft, geht es um das liebe Geld. Hinter den Kulissen brodelt es insofern gewaltig, als sogar die Drohgebärde aufgefahren wird, Wengen könnte aus dem Weltcupkalender fliegen. Ein Streit zur Unzeit also, der mittlerweile sogar die Gerichte beschäftigt.

Konkret duellieren sich auf der Wengener Bühne das Organisationskomitee der Lauberhornrennen und der Schweizer Ski-Verband Swiss Ski. Die Veranstalter möchten mehr Mittel aus dem zentralen Vermarktungstopf (TV- und der Marketingrechte), wiewohl Swiss Ski die Vermarktung der Werbepakete für Weltcupveranstaltungen in der Schweiz seit ein paar Jahren selbst in der Hand hält. "Unsere Forderungen sind keinesfalls unverhältnismäßig. Wir sind sicher keine Abzocker und wollen auch nicht dem Sport oder den Sportlern Mittel wegnehmen. Vielmehr brauchen wir diese zusätzlichen Vermarktungsgelder eben gerade dafür, um den Fortbestand unserer Rennen gewährleisten zu können", sagt OK-Präsident Urs Näpflin in der Nachrichtenagentur SDA.

Im Vorjahr blieb trotz Zuschauerrekordes von 67.600 Fans ein Defizit von kolportierten 250.000 bis 270.000 Schweizer Franken (231.000/250.000 Euro) übrig. Das Budget von rund 8,7 Millionen Franken (8,04 Millionen Euro) wird zu rund einem Viertel durch die Gelder von Swiss Ski gedeckt, hieß es. Am Lauberhorn will man aber mehr Geld - ohne aber die Identität aufzugeben. So ist ein Zankapfel laut Boulevardblatt "Blick" die Vermarktung des Hundschopf. "Die Wengener verlangen auf der einen Seite mehr Swiss-Ski-Geld, auf der anderen Seite lassen sie nicht zu, dass der Hundschopf ähnlich wie die Hausbergkante in Kitzbühel als wertvolle Werbefläche genutzt wird. Diese Rechnung kann nicht aufgehen", wird ein ehemaliger Swiss-Ski-Mitarbeiter zitiert. Laut "Neue Zürcher Zeitung" wehrt sich Wengen mit Verweis auf Geschichte und Tradition seit Jahren gegen einen Werbebogen am berühmten Sprung durch die Felsen.

Zermatt stünde parat

In der NZZ vom Sonntag wird spekuliert, dass sich die Lauberhornrennen in Zukunft wie die Hahnenkammrennen (durch die WWP-Group um Harti Weirather) selbst vermarkten könnten. Insider würden aber bezweifeln, dass Wengen damit mehr verdienen würde. "Die größte Eskalationsstufe bestünde darin, dass Swiss Ski den Wengenern die Rennen entzieht", schreibt die Zeitung. Denn Swiss Ski habe eine Alternative - und wohl auch Druckmittel - in der Hinterhand, will sich Zermatt doch um eine Weltcup-Abfahrt bewerben. Noch aber bleibt Zeit, den Konflikt zu lösen - wenn es nicht so gelingt, soll der Sportgerichtshof CAS in Lausanne die Causa entscheiden.

Doch auch so haben die Veranstalter heuer mit Problemen zu kämpfen: Wegen Schneemangels musste der Slalom-Hang mit Schnee aus dem Hannegg-Gebiet - per Hubschrauber angeflogen - präpariert werden. Kaum war diese Arbeit positiv erledigt, kündigt die Wetterprognose weiße Natur-Pracht von oben an - und zwar just zum Höhepunkt am Samstag, wenn die Abfahrt ansteht. Daher könnte es zu einer Programmänderung kommen und ein Tausch mit dem Sonntag-Slalom erfolgen.

Anders als am Mittwoch, als das Training abgesagt werden musste, konnte jenes am Dienstag programmgemäß durchgezogen werden: Schnellster war Lokalmatador Mauro Caviezel, bester Österreicher Johannes Kröll als Fünfter (+0,52 Sekunden).