Dass die Ära nunmehr zu Ende gehen könnte, ist wohl etwas übertrieben. Aber nach der zweiten Slalom-Niederlage von Mikaela Shiffrin in Folge - beim Nachtslalom am Dienstag in Flachau - plagten die US-Seriensiegerin arge Selbstzweifel. "Wir sind in der Realität angekommen", erklärte die Rekord-Gewinnerin von 43Weltcupslaloms gut zwei Stunden vor Mitternacht.

Shiffrin meinte damit, dass sie derzeit nicht so Ski fahre wie gewünscht. Und dass ihr über viele Siege aufgebautes Selbstvertrauen momentan offenbar unauffindbar sei. "Der Eindruck täuscht nicht", so Shiffrin, die durchaus offen mit dieser Mini-Formkrise umgeht. "Ich bin jemand, der nicht immer so fest an sich selbst glaubt. Nur selten war ich so selbstbewusst, dass ich sicher war, alle zu schlagen", erklärt die 64-fache Weltcup- und zehnfache Medaillengewinnern bei Großereignissen der etwas verdutzten Journaille. "Ich war vor allem deshalb so lange oben, weil ich härter gearbeitet habe als die anderen. Aber Siege können schnell vorbei sein. Auch ich muss ständig Schritte nach vorne machen." Und die gelingen derzeit offenbar nicht mehr - wiewohl sie zum Jahresende noch das Lienz-Double geholt hatte. "Anfang der Saison hat sie noch locker gewonnen. Jetzt grübelt sie", analysierte auch Flachau-Hausherr Hermann Maier. "Unter Druck macht Mikaela Fehler, die ihr normal nicht passieren", ergänzte die von Shiffrin Ende 2018 als Slalom-Rekordlerin abgelöste Marlies Raich. Atomic-Rennchef Christian Höflehner glaubt indes: "Zagreb, der Sturz in Zauchensee und die Vorjahres-Niederlage haben Auswirkungen. Aber es kommen wieder Tage, an denen Mika Vlhova was zum Nachdenken gibt."

Vlhova im Slalom schneller

Die 24-jährige Shiffrin dominiert den Damen-Skiweltcup, den sie zuletzt drei Mal in Folge geholt hat, vor allem über den Slalom, wo sie lange Zeit unschlagbar zu sein schien. Doch das Momentum liegt seit dem furiosen Zagreb-Sieg bei Vlhova. Der einzigen Läuferin überhaupt, die Shiffrin - selten aber doch - in den vergangenen drei Jahren bezwungen hat.

Aber nicht das zuletzt wieder hochgekochte "Spygate", sondern der von Shiffrin-Coach Mike Day bewusst eckig gesteckte zweite Lauf war das, was Shiffrin zu nächtlicher Stunde hinsichtlich ihrer Rivalin am Herzen lag. "Heute ist mir wichtig klarzustellen, dass Mikes Kurssetzung nicht gegen Petra ausgerichtet war. So etwas tun wir nicht", betonte Shiffrin. "Zweitens kannst du gegen sie ohnehin nichts setzen, so wie sie derzeit Ski fährt. Petra macht derzeit alles besser als ich, ihre Technik ist perfekt. Deshalb ist sie derzeit die Beste und kann jeden Kurs gut fahren. Das wollte ich nur klarstellen."

"Kampf zwischen uns ist gut"

"Gut, das von ihr zu hören", entgegnete die erfolgreiche Flachau-Titelverteidigerin Vlhova kurz darauf. Noch im Zielraum hatte es eine Umarmung zwischen den Kontrahentinnen gegeben, der nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die beiden erbitterte sportliche Rivalen sind. "Der Kampf zwischen uns ist gut, und ich verstehe, wenn Mika sauer ist. Auch sie will immer gewinnen", meinte die gleichaltrige Slowakin. "Ich habe Riesenrespekt, sie ist ein Champion."(apa/may)