Österreichs Speedpiloten haben in Wengen nicht das richtige Rezept gegen die großen Zwei des Abfahrtssport gefunden. Weil hinter dem Schweizer Beat Feuz und dem Südtiroler Dominik Paris (+0,29 Sek.) auch noch der Deutsche Thomas Dreßen dazwischenfunkte (0,31), musste sich Kombinationssieger Matthias Mayer mit Rang vier begnügen (0,38), Vincent Kriechmayr wurde Achter, Daniel Danklmaier Zwölfter.

Für Feuz war es bereits der 13. Weltcupsieg seiner Karriere, der Dritte in der Abfahrt auf dem Lauberhorn nach 2012 und 2018. Wegen des Schneefalls in der Nacht war ein Rennen über die gesamte Distanz nicht möglich gewesen, gestartet wurde bei besten Verhältnissen ab dem Kombinationsstart, 32.000 Zuschauer waren entlang der Strecke mit dabei.

Mayer, der das zweite Training und die Kombiabfahrt dominiert hatte, fand es "extrem schade", dass er den Podestplatz verpasst hatte, nur um 7/100 Sekunden war er vorbeigeschrammt. "Ich hatte zwei Teile, wo ich sehr viel Zeit verloren habe. Am Start oben komischerweise, wo es heute überhaupt nicht hingehaut hat, und was eigentlich noch blöder war, nach dem Tunnel, da hat es mir im Flachen einmal den Ski verschnitten, das hat mich im Gleitstück einiges gekostet", wusste Mayer, woran es gelegen war.

Kriechmayr auch nicht zufrieden

Es sei eine super Woche gewesen, er sei immer gut gefahren, erklärte Mayer. "Gestern war natürlich gewaltig. Und heute wäre auf jeden Fall mehr drinnen gewesen." Der Kombitag sei lange gewesen, aber kräftemäßig sei er auch am Samstag voll da gewesen. "Ich habe aber nicht gleich einschlafen können, ich habe bis Mitternacht gebraucht, bis ich ein Auge zugetan habe."

Nicht rund lief die Wengen-Woche für Vorjahressieger Kriechmayr. "Ich weiß nicht, was da los ist, aber es funktioniert gerade nicht so. Ich muss mal analysieren und mir das Rennen in Ruhe anschauen", sagte der Oberösterreicher, der 0,93 Rückstand hatte. Aus der Kombiabfahrt habe er noch Schlüsse gezogen, es sei ihm aber nicht gelungen, das umzusetzen. "Bis zum Brüggli-S habe ich viel zu viel Zeit verloren." Der Anspruch sollte sein, vorne mitzufahren, das habe er nicht geschafft.

Zufriedensein durfte indes Danklmaier, der mit Platz zwölf (+1,10) das zweitbeste Karriereergebnis nach Rang fünf im Vorjahr in Kitzbühel einfuhr. "Ich bin echt zufrieden, es war eine gute Leistung, ich bin sehr happy mit meiner Fahrt", sagte der Steirer. Als einziger weiterer Österreicher punktete noch Otmar Striedinger als 15. (1,54.). "Ich kann nicht zufrieden sein, ich hatte nicht so das Gefühl wie im Training. Ich habe mir ein bisschen schwergetan. Und bei so einem knappen Rennen bist du dann gleich einmal hinten", meinte Striedinger.

Mit 400 Punkten übernahm Titelverteidiger Feuz die Führung im Disziplinweltcup vor Paris (384), Dreßen (201) und Mayer (200). Im Kampf um den Disziplinweltcup ziehen der Schweizer (Sieger in Beaver Creek und Wengen) und der Südtiroler (zweimal in Bormio) davon, Dreßen hatte zum Auftakt in Lake Louise gewonnen.

"Vor zehn Jahren habe ich meine Premiere gegeben und mir gedacht: Die Strecke mag ich nie. Sie ist lang, hat Flachstücke - eigentlich alles, was ich nicht mag. Drei Jahre später hat es funktioniert und seither ist es eine Liebesbeziehung", sagte Feuz nach dem Triumph am Samstag.

Weiter auf einen Wengen-Sieg warten muss Paris: "Es ist spannend mit Beat. Er pusht dich, immer an die Grenzen zu gehen", sagte der Zweitplatzierte. Und Dreßen meinte, nachdem er Minschkante und Canadian Corner nicht perfekt erwischt hatte. "Da habe ich zu früh umgelegt, und dann habe ich nicht die Eier gehabt, dass ich da voll durchziehe. Ansonsten könnte ich nicht sagen, was ich besser fahren hätte können." (apa)