Fritz Strobl wird sich wohl am Mittwoch entspannt zurückgelehnt haben. Denn der Streckenrekord auf der Streif dürfte dem Abfahrts-Olympiasieger von 2002 wohl noch länger bleiben, angesichts der Trainingsbestzeit des Norwegers Kjetil Jansrud, die bei 1:56,68 Minuten lag - und damit um mehr als fünf Sekunden über der Strobl’schen Bestmarke von 1997 (1:51,58). Dabei hatte der 47-jährige Kärntner selbst noch am Montag im Kitzbühel-Special von Servus-TV Bedenken geäußert, dass die für die 80.Hahnenkamm-Rennen angesagten Plusgrade samt aufgefirmter Schneeauflage ein besonders schnelles Rennen und vielleicht eine neue Rekordfahrt versprechen könnten.

Auch wenn das diesmal nicht wirklich zu erwarten ist, die warmen Witterungsbedingungen sind zumindest daran schuld, dass die Speedelite am Mittwoch über die gefährlichste Abfahrt der Welt regelrecht ins Schwärmen geriet. Wo sonst meist über die "knusprige", "knackige" oder "gefährlich eisige" Streif lamentiert wird, dominierte nach dem ersten Abtasten das Strahlen in den Gesichtern vieler Stars. Das, obwohl bei vielen noch der Schock über den Kreuzbandriss des dreifachen Streif-Siegers und Topfavoriten Dominik Paris präsent war, der sich am Vortag beim Super-G-Training in Kirchberg verletzt hatte.

Gewaltig und traumhaft

"Hart, gleichmäßig, gewaltig. Man muss den Hut ziehen vor dem neuen Pistenchef, super gemacht", frohlockte etwa Matthias Mayer nach seiner heurigen Hahnenkamm-Premierenfahrt, die ihm viel Spaß und Trainingsrang sechs (+0,64) bescherte. Ähnlich urteilte das andere ÖSV-Top-Ass beim wichtigsten Skirennen der heurigen Saison: "Traumhaftes Wetter, das macht viel mehr Spaß. Und die Piste ist viel ruhiger als in den letzten Jahren und nicht so eisig, herunten ist es sogar ein bisschen frühjahrsmäßig - klar mit den Temperaturen", sagte Vincent Kriechmayr, der als Neunter (+0,93) auch noch nicht alle Karten aufdeckte. Dem Mühlviertler tat die ansprechende Fahrt insofern gut, als Wengen für ihn zuletzt - Rang acht als Titelverteidiger - "nicht gerade berauschend" gewesen sei.

Extra-vorsichtig ging es indes Max Franz (+2,83) an - schließlich hatte er im Vorjahres-Rennen im Karussell einen Fersenbruch erlitten. "Das war mit Handbremse. Aber ich habe gesehen, dass es gut geht. Das habe ich heute gebraucht, und wenn ich ehrlich bin, würde ich gleich nochmals fahren, weil ich gesehen habe, dass es geht. Morgen versuche ich, den nächsten Schritt zu machen", meinte der Kärntner, der seine Rückenprobleme unter Kontrolle wähnt. Er hofft, dass die Bedingungen bis zum Renntag so bleiben - dann würde man einmal ein ganz anderes Kitzbühel erleben.

Tempo raus am Hausberg

Einziger Kritikpunkt am Mittwoch waren die weiten Sprünge an der Hausbergkante - die Athleten wurden schließlich per Funk sogar aufgefordert, Tempo rauszunehmen. Otmar Striedinger (+2,00), im Vorjahr als Dritter bester Österreicher, bremste sich ebenso ein: "Sie müssen da schon was tun und die Kante abnehmen. Im Renntempo geht der Sprung sicher zu weit", meinte der Kärntner, der sich nun von Tag zu Tag steigern will, um am Samstag dann im Rennen "den einen Lauf auszupacken". Auch, wenn es heuer wieder kein Streckenrekord werden wird.