Das wär’ ja noch schöner! Dass sich nämlich der Sieger eines Weltcuprennens bei einem Kontrahenten dafür entschuldigt, ihm den Sieg vor Heimpublikum weggeschnappt zu haben. Aber weil Kitzbühel bekanntlich nicht irgendein Rennen ist, ist genau das am Freitag zum Auftakt der 80. Hahnenkamm-Rennen im Super G passiert. Also sprach der Norweger Kjetil Jansrud bei seinem Siegerinterview in der Gamsstadt: "Ich muss mich entschuldigen. Es tut mir ein bisschen leid – leid für Österreich und für Matthias. Er ist so oft auf dem Podest, er verdient es auch", sagte der 34-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln im Zielraum. Etwas bittersüß war darob das Lächeln von Matthias Mayer, der eben nur hauchdünn – mit 16 Hundertstel – an seinem zweiten Sieg im Kitz-Super-G vorbeigeschrammt ist und sich das Stockerl mit zwei Norwegern – Aleksander Aamodt Kilde wurde ex aequo Zweiter – teilen musste.

Dennoch war der Kitzbühel-Auftakt für den doppelten Olympiasieger aus Kärnten, der im Zentrum des alpinen Skisports schon 2017 erfolgreich war, (wie das Wetter) ein äußerst sonniger. "Ich habe es richtig genossen. Es ist unglaublich. Es erwartet irgendwie jeder ein Podest, es erhofft sich jeder den Sieg, es ist einfach cool, wenn man da mit einem grünen Licht im Ziel abschwingen kann", sagte Mayer, der den heuer spät in Form gekommenen Jansrud auf der Rechnung hatte. "Kilde hat mir gesagt, dass Jansrud jetzt im Super-G-Training extrem gut gefahren ist. Vielleicht war es eher über den Hausberg drüber, wo ich doch ein bissel zu spitz war, wo noch was drinnen gewesen wäre. Aber im Großen und Ganzen war es eine super Fahrt." Allerdings hatte sich Mayer nach dem Start einen kleinen Verschneider geleistet, der ihm vielleicht den Sieg kostete; aber auch Jansrud kam nicht fehlerfrei über den selektiven Kurs – am flachen Oberhausberg verlor er viel Zeit.

Mayer schaffte es damit zum bereits fünften Mal im Kitzbühel-Super-G auf das Stockerl. Und untermauerte auch seine Mitfavoritenrolle für die Abfahrt am Samstag (11.30 Uhr/ORF 1), wo er es allerdings nie über Rang acht hinaus geschafft hat. Mayer übernahm damit die Führung im Disziplinweltcup von Vincent Kriechmayr, der am Freitag auf Rang sechs kam und nun 28 Punkte dahinter ex aequo mit Jansrud und Kilde Zweiter ist. Letzterer freute sich über sein erstes Stockerl in der Gamsstadt. "Einmal war ich schon Vierter, das ist sehr schön jetzt. Das war von oben bis unten eine stabile Fahrt."

Nicht ganz zufrieden mit seiner Vorstellung war Kriechmayr, der nach seinem Sturz im Abfahrtstraining am Vortag wegen einer lädierten Hand Probleme beim Starten, aber keine Schmerzen hatte. "Aber dafür war die Zeit eh ganz okay. Ich habe zwei Fehler gemacht, das erklärt den Rückstand", sagte der Mühlviertler, der zumindest mit dem Grundspeed ganz zufrieden war und für Samstag vollen Angriff ankündigte. Gemeinsam mit Mayer zählt er zu den einzigen rot-weiß-roten Siegkandidaten im wichtigsten Rennen des Jahres: "Die Burschen kennen die Strecke und sind hier schon schnell Ski gefahren. Es ist möglich", meinte Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher, der erstmals seit 2014 (Hannes Reichelt) wieder die Bundeshymne anlässlich der Siegerehrung in der Königsdisziplin hören möchte.