Fast hätte man es im Nachklang des rot-weiß-roten Ski-Hochamtes zu Kitzbühel vergessen können: Die stolze Skination ist bei Herren-Technikrennen seit genau einem Jahr bereits ohne Weltcupsieg - den letzten diesbezüglichen Erfolg hat ein gewisser Marcel Hirscher 2019 beim Nachtslalom in Schladming eingefahren. Es war übrigens auch der 67. und letzte Weltcup-Triumph des Annabergers (wiewohl er danach noch in Aare einen ÖSV-WM-Dreifachsieg im Torlauf anführen durfte). Dass nun just beim Slalom-Spektakel in Schladming am Dienstag (17.45/20.45 Uhr/ORF 1) diese Durststrecke zu Ende gehen könnte, war vor einigen Wochen noch recht unwahrscheinlich, doch nun gibt das wieder geschlossen gute Resultat am Sonntag in Kitzbühel einige Hoffnung.

Denn mit Marco Schwarz (2.), Michael Matt (6.) und Newcomer Adrian Pertl (8.) gab es aus Sicht des ÖSV ein Resultat wie zu allerbesten Zeiten; auch Manuel Feller (13.) und Fabio Gstrein (16.) waren von der Torlauf-Elite nicht allzu weit entfernt. Am dritten Saisonerfolg des Schweizers Daniel Yule - der erste eidgenössische Ganslernsieger seit 1968 - konnte aber keiner der Lokalmatadore etwas ändern, wiewohl der Kärntner Schwarz bei zwölf Hundertstelsekunden Rückstand ganz knapp dran war am Siegcomeback der heimischen Slalomartisten. "Es ist großartig, vor einem Heimpublikum Rennen zu fahren. Heimrennen sind immer etwas Spezielles. Den zweiten Platz zu holen, ist unglaublich. Nach meiner Verletzung wird das Skifahren besser und besser jeden Tag. Seit Adelboden und Madonna läuft es ziemlich gut", sagte Schwarz, der Anfang der Saison mit den Nachwirkungen eines Kreuzbandrisses zu kämpfen gehabt hatte.

Der fast durchgängig steile Zielabschnitt der Planai ist aber nicht gerade der Lieblingshang von Schwarz, der seine Stärken vor allem bei Übergängen ins Flache, wie eben in Kitzbühel, ausspielen kann. Seine bisherigen Resultate - 18, 11 und 5 (2019) - zeugen davon, dass sich der 24-Jährige langsam, aber sicher mit dem Gelände angefreundet hat, aber auch, dass noch viel Luft nach oben ist. Dennoch wies er Journalistenfragen, dass er nun reif für den ersten Slalomsieg seiner Karriere sein könnte, nicht gerade brüsk zurück: "Ich freue mich auf Schladming. Das Nightrace ist sicher speziell für mich. Hoffentlich kann ich mein Bestes geben und am Ende vorne sein." Und vollgepumpt mit Selbstvertrauen meinte er noch Richtung Yule: "Vielleicht gibt es in Schladming die Revanche."

Eine noch schlechtere Schladming-Bilanz hat indes Vizeweltmeister Matt, der am WM-Hang von 2013 als Bestes nur einen 13. Platz aus dem Vorjahr aufzuweisen hat. Dafür hat er in Kitzbühel dank eines Rückgriffs auf älteres (Erfolgs-)Material wieder Sicherheit erlangt und damit auch die Misere nach etlichen Ausfällen und Patzern in den vergangenen Rennen überstanden. "Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, bis zur letzten Zwischenzeit war ich fast ganz vorne mit dabei. Das ist sehr positiv. Wenn ich die letzten zehn Tore noch gescheit gefahren wäre, hätte es auch für ein Podest gereicht", meinte der Tiroler, der eben im Schlussabschnitt bewusst dosiert hatte, um das Ziel zu sehen. Auf der Planai will er sich aber nicht zurücknehmen: "In Schladming werde ich die letzten zehn Tore auch noch gescheit fahren."

Überraschungsmann Pertl freut sich auf Schladming

Der Kitz-Slalom brachte noch einen weiteren Lichtblick in Person von Pertl - und damit den Beweis, dass der ÖSV trotz manch Versäumnissen im Nachwuchs seine Talente rasch nach oben führen kann. Der Juniorenweltmeister im Torlauf von 2017 überraschte nicht nur im ersten Lauf, in der es sich mit Startnummer 73 für das Finale qualifizieren konnte (24.); sondern auch mit einem Husarenritt im zweiten Durchgang, der dem 23-jährigen Kärntner sogar Laufbestzeit bescherte. Und das im erst fünften Weltcup-Slalom. Seinen ersten Einsatz hatte Pertl übrigens vor zwei Jahren in Schladming, wo er sich allerdings nicht fürs Finale qualifizieren konnte - diese Erfahrung könnte ihm am Dienstag aber von Nutzen sein, wenn er sich mit deutlich niedrigerer Startnummer in den Hexenkessel wirft. "Ich werde schauen, dass ich im ersten Lauf wieder in die 30 reinfahre", sagte Pertl, der von den Trainern zuletzt viel Lob eingeheimst hatte. "Ich bin in Schladming in die Schule gegangen, von dem her kenne ich das Rundherum ein bissel und freue mich schon. Ich denke auch, dass mir der Hang liegen wird." Ein kleines Heimspiel also für ihn vor (erwarteten) 45.000 Fans am Streckenrand.