Kitzbühel, Schladming - die Skiklassiker auf österreichischem Boden ziehen alljährlich die Massen an. Nicht nur in den berühmten Weltcuporten, sondern auch vor dem Fernsehschirm. So bejubelt dieser Tage auch der ORF die Top-Quoten bei den Ski-Übertragungen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Denn im Vergleich zum Vorjahr, als Marcel Hirscher noch das große Zugpferd war, gab es heuer ein mitunter empfindliches Minus bei der Reichweite - und zwar durchgängig bei allen Jänner-Klassikern.

Die "Wiener Zeitung" hatte bereits Ende Dezember über den Einbruch bei der Ski-TV-Quote auf ORF1 berichtet, der nach dem Rücktritt des Superstars zu Saisonbeginn durchaus heftig ausfiel: Spitzenwert war jener vom Riesentorlauf in Beaver Creek, wo man mehr als eine halbe Million Zuschauer (minus 45 Prozent) verlor; in Alta Badia betrug der Seherschwund 34 Prozent.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Als dann Manuel Feller den Bericht via Instagram verbreitete und mit der scherzhaften Bemerkung garnierte, schuld sei auch Ex-Slalom-Ass und Neo-Co-Kommentator Felix Neureuther, dem viele heimische Seher zur ARD gefolgt wären, sah sich der ORF zu einer "Richtigstellung" veranlasst: Der Seher-Verlust auf der "gesamten Live-Sendefläche" betrage nur "14 bis 16 Prozent". Nähere Einblicke, wie sich diese Zahlen genau errechnen, gab der ORF gegenüber der "Wiener Zeitung" leider nicht. Denn wenn man die gesamte Entwicklung der Jänner-Klassiker betrachtet, ist der Quoten-Schwund fast durchwegs höher.

So befindet sich zwar das Finale im Zagreb-Slalom mit einem Minus von 15,6 Prozent in dem genannten Bereich (siehe Grafik), bei den darauffolgenden Rennen in Adelboden war der Seher-Verlust bei der durchschnittlichen Reichweite aber mit rund 30 Prozent wieder signifikant (-28,9% im RTL, -31,2% im Slalom).

Dass der negative Hirscher-Effekt tatsächlich existiert, beweisen wiederum die Quoten-Daten zu Wengen: Während die Abfahrt fast so viele Zuschauer verfolgten wie 2019 (-5,4%), folgte tags darauf im Slalom eine Einbuße von fast einem Viertel der Zuseher (-24%). Und das, obwohl Marco Schwarz als Dritter das erste ÖSV-Slalom-Stockerl in dieser Saison schaffte.

Differenziert müssen indes die Daten zum Hahnenkamm-Wochenende betrachtet werden, weil im Vorjahr die Rennen getauscht wurden (Abfahrt am Freitag, Slalom am Samstag, Super G am Sonntag). Daher verwundert es wenig, dass es einzeln betrachtet starke Schwankungen mit fast 50 Prozent Seher-Verlust beziehungsweise -Zuwachs gab. Der Streif-Thriller verbuchte mit durchschnittlich 1,629 Millionen Menschen aber den besten Abfahrts-Wert seit 2016. Allerdings: Trotz des besten ÖSV-Abschneidens seit 14Jahren gab es - wenn man alle drei Kitzbühel-Rennen zusammenrechnet - auch keinen Zuwachs. Will man die TV-Quote für den Slalom vom Ganslernhang richtig einordnen, empfiehlt sich ein Vergleich zum Sonntag-Rennen von 2018: Mit Hirscher-Beteiligung waren es um 203.000 Zuschauer mehr als heuer (-12,7%).