Manche haben sie einfach für verrückt erklärt. Selbst im Rückblick klingt es noch abenteuerlich: 16 Mann haben es sich vor 1980 in den Kopf gesetzt, als Fan-Klub bei den Olympischen Winterspielen im US-amerikanischen Lake Placid direkt dabei zu sein und vor allem "ihre" Annemarie Moser-Pröll aus Kleinarl im Salzburger Pongau zu unterstützen. Geklappt hat es für beide: Österreichs Rekord-Weltcupsiegerin holte zum Abschluss ihrer Ski-Karriere in der Abfahrt olympisches Gold, und der Fan-Klub hat sie dort nicht nur auf die Schultern gehoben, sondern war auch noch 17 Tage lang hautnah in Lake Placid mit dabei. 40 Jahre danach hat sich der Fan-Klub erstmals wieder in Kleinarl mit Moser-Pröll, die weiter in dem beschaulichen Skiort wohnt, vor kurzem getroffen und die Erinnerungen aufgefrischt.

Man habe sogar versucht, mit Totospielen Geld für die damals teure Überseereise aufzutreiben, erinnert sich Hubert Haitzmann, der heute in Kleinarl im Tourismus tätig ist und damals mit 22 Jahren der Zweitjüngste im Fan-Klub war, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der damalige Bürgermeister von Kleinarl, der bereits verstorbene Mathias Gwehenberger, war ebenfalls mit dabei. Geboren wurde die Idee bereits im Zuge der für Österreich erfolgreichen Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Um Geld aufzutreiben, war man erfindungsreich. Beim Totospielen kamen 1000 Schilling, also umgerechnet rund knapp 73 Euro herein. Viel mehr waren es durch eine Aktion mit Autogrammkarten mit der stets hilfsbereiten Moser-Pröll. Diese wurden um 20 Schilling (rund 1,45 Euro) verkauft, mit der Zusicherung, sie würden nach Lake Placid samt Olympia-Marke und Unterschrift der späteren Goldmedaillen-Gewinnern zugeschickt. 5500 Karten brachten eine schöne Summe ein - und wurden auch versandt, wie Haitzmann betont.

Annemarie Moser-Pröll mit Marie-Theres Nadig und Hanni Wenzel. - © afp/Delbenfadu
Annemarie Moser-Pröll mit Marie-Theres Nadig und Hanni Wenzel. - © afp/Delbenfadu

Ausstaffiert vom Promi-Schneider

Er muss heute noch schmunzeln darüber, wie die 16 Mann sogar zu einer einheitlichen Ausrüstung kamen. Der Ausstatter war nicht irgendwer, sondern "Promi"-Schneider Beppino Teuschler. Den Kontakt hatte Pröll-Ehemann Herbert Moser geknüpft. So kam es, dass der Fan-Klub aus Kleinarl mit brauner Hose und beigem Sakko in Lake Placid auftreten konnte. Maßgeblich beteiligt war auch der spätere FIS-Marketingverantwortliche, der Vorarlberger Christian Knauth, 1980 als Ausrüster für die bekannten Mäser-Leibchen zuständig. Er sorgte dafür, dass der Fan-Klub in einem Haus in Lake Placid eine Unterkunft bekam. Knauth reiste zum 40-Jahr-Jubliäum mit seiner Ehefrau, der damaligen deutschen Rennläuferin Pamela Beer an, die bei Ski-WM 1978 in Garmisch Silber im Slalom geholt hat.

Turbulente Rückkehr und ein Treffen mit Leonhard Stock

Neben den Alpin-Bewerben nützte der Fan-Klub die gut zwei Wochen bei den Spielen, um auch bei anderen Sportarten, etwa beim Eishockey, zuzuschauen. "Die Eintrittskarten waren teuer", sagt Haitzmann - auch für die Skirennen. Aber wenn man schon soviel Engagement für die Reise an den amerikanischen Olympia-Ort aufgebracht hat, wollten die 16, von denen nicht mehr alle leben, soviel als möglich live sehen. Selbst die Rückkehr verlief turbulent und sicher nicht wie geplant. Denn bei der Ankunft in München wurde bekannt, dass ein Teil des Pröllschen Elternhauses auf rund 1200 Metern Seehöhe in Kleinarl brennt. Da war die Reisegruppe recht schnell zurück in der Realität des Lebens. Das war auch ein Grund, dass man es erst 40 Jahre nach Lake Placid geschafft hat, in großer Runde noch einmal zusammenzukommen. Dafür ist nun allerdings für kommendes Jahr noch ein Treffen vorgesehen, mit einem anderen Olympiasieger, dem Zillertaler Leonhard Stock. Er hatte in Lake Placid überraschend Abfahrtsgold geholt.