Gut möglich, dass mit Marcel Hirscher bald auch Anna Veith mit dem ORF-Mikrofon in der Hand vor der Kamera auftauchen wird - und sei es als Kommentatorin. Und es wäre dies kein ungewöhnlicher Weg für eine Athletin ihres Formats, auch Alexandra Meissnitzer hatte nach ihrem Rücktritt im März 2008 relativ rasch den Weg in den Sender gefunden. Dass auch Meissnitzer die mehrfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin nun für Samstag nach Rohrmoos zum Gespräch bestellt hat, um, wie es in einer Aussendung heißt, "nach ihrem dritten Comeback in vier Jahren die vergangene Saison Revue passieren" zu lassen, mag da noch nicht allzu viel bedeuten. Dass das Thema des "sehr persönlichen Gedankenaustausches" unter anderem "ihre Träume und ihre Pläne für die Zukunft" sind, dann doch wieder sehr wohl. Verkündet die Salzburgerin also ihr Karriereende?

Tatsächlich spricht da so einiges dafür. Erst vergangene Woche hatte etwa die "Kronen-Zeitung" getitelt, dass die 30-Jährige ihre Karriere nach 14 Jahren beenden würde, allerdings bestätigt wurde diese Behauptung nicht. "Immer mehr verdichten sich nämlich in Insiderkreisen die Gerüchte, dass sie statt der kommenden Saison entgegen direkt in die Ski-Pension fährt. Nächste oder übernächste Woche, also jedenfalls noch im Mai, soll sie demnach offiziell ihren Rücktritt erklären", schrieb die Zeitung. Der ÖSV-Medienpartner spekulierte wiederum, dass dies "auch private Gründe haben dürfte". Welche das sind, könnte der Ski-Star am Samstag verraten, der ORF überträgt das Gespräch (18.55 Uhr) jedenfalls live.

Fotostrecke 8 Bilder

Fix ist: Sollte sich Anna Veith aus dem Ski-Zirkus zurückziehen, wäre dies das bereits zweite große Karriereende einer ÖSV-Ikone binnen neun Monaten. Bereits im September hatte Hirscher am Höhepunkt seines Skifahrerlebens den Rücktritt vom Profisport verkündet. Bei Veith, geborene Fenninger und seit April 2016 mit Manuel Veith verheiratet, liegen die Höhepunkte schon einige Jahre zurück, weswegen auch die Ankündigung, die Ski nun ein für allemal abzuschnallen, nicht allzu überraschend käme.

- © apa/Barbara Gindl
© apa/Barbara Gindl

Erfolgreichste Sportlerin

Wie auch immer, fest steht: Veith wird als eine der erfolgreichsten Skifahrerinnen der vergangenen Dekade in die nationale Sportgeschichte eingehen. Die Salzburgerin ist Olympiasiegerin (Super G 2014) und dreifache Weltmeisterin (Super-Kombination 2011, Super G und Riesentorlauf 2015) sowie zweimal Gesamtweltcupsiegerin (2013/14 und 2014/15). Darüber hinaus wurde sie drei Mal zu Österreichs Sportlerin des Jahres (2013, 2014, 2015) gewählt. Nach ihren herausragenden Saisonen 2013/14 und 2014/15 warfen sie allerdings schwere Verletzungen immer wieder zurück (siehe Kasten), dennoch gelangen ihr mit dem Comeback-Sieg in Val d’Isère 2017 und der Olympia-Silbermedaille 2018 noch einmal außerordentliche Erfolge.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Für das ÖSV-Damenteam hätte der Abschied Veiths daher vor allem eine emotionale Komponente. Eine Gesamtweltcup-Siegerin aus Österreich wird es wohl auch in naher Zukunft nicht so rasch wieder geben. "Es wäre vermessen, wenn ich jetzt sagen würde, dass wir in zwei oder drei Jahren um die große Kugel mitfahren", hatte ÖSV-Coach Christian Mitter noch im März gemeint. Man kann diese Worte durchaus auch als Kompliment an Veith verstehen. (rel)