All jene, die es in den Wirren des Corona-Lockdowns nicht mitbekommen haben sollten: Die alpine Skisaison 2019/20 endete im März überstürzt und ohne Schlussgong in Form eines Weltcupfinales im Epidemie-geplagten Norditalien - und brachte mit Federica Brignone (Italien) und Aleksander Aamodt Kilde (Norwegen) zwei überraschende, aber nicht unverdiente Großkugelgewinner. Die Skination Nummer eins - Österreich - ist ebendiese seit März nicht mehr. In der ersten Post-Marcel-Hirscher-Saison regnete es - bis auf den furiosen Streif-Doppelsieg durch Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr - durchwegs Enttäuschungen, die am Ende einen Kugel-Salto-Nullo bescherten; den ersten für den ÖSV seit 1986/87. Denn nicht einmal der von Präsident Peter Schröcksnadel so vehement eingeforderte Nationencup konnte gegenüber der Schweiz verteidigt werden. Der Ärger der heimischen Ski-Fans über dieses Debakel hielt sich - siehe oben - allerdings durchaus in Grenzen, man hatte schlicht andere Sorgen.

Und heuer? Wenn am Samstag am Söldener Rettenbachferner die neue Rennsaison eingeläutet wird, geht der Blick naturgemäß weg von den Ergebnislisten hin zu den Corona-Präventionskonzepten. Angesichts steigender Zahlen an positiv getesteten Menschen (und Sportlern) und vor dem Hintergrund einer völlig ungewissen, aber für viele überlebensnotwendigen Wintersaison, ist "Durchführen ist alles" wohl das geeignete Motto für den um eine Woche vorverlegten, traditionellen Wintersportauftakt im Lande Tirol. Dass weder beim Damen-Riesentorlauf am Samstag, noch jenem der Herren am Sonntag Zuschauer zugelassen sind (auch Après-Ski wird es nicht geben), ist für den Weltcup-Tross durchaus verschmerzbar. Wie in der Formel 1 gilt es, den ohnedies großteils Fernsehsport Ski alpin unfallfrei - sprich ohne Corona-Cluster - über den Winter zu bringen und Lust auf das weiße Gold der Alpen zu vermitteln. Und dass in den rot-weiß-roten Pistenheiligtümern namens Kitzbühel und Schladming nicht vielleicht doch Fans zugelassen sein dürfen, wird man ja noch sehen, wie Schröcksnadel jüngst kundtat. Wer weiß schon, was Ende Jänner sein wird?

Faktum ist, dass es - wie in anderen Sportarten auch - jetzt einmal äußerst streng zugeht: So wurde der Weltcup-Auftakt zu einer nationalen Angelegenheit erhoben, für Fahrer wie Funktionäre gibt es Sonderstatus, was An- und Abreise betrifft. Starten darf aber nur der, der einen negativen PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) bringt, zusätzlich sind im Ötztal Schnelltests vorgesehen. Es wird zudem verschiedene "Blasen" geben, die tunlichst nicht mit anderen in Kontakt treten sollen - Athleten, Serviceleute und die FIS-Entourage bilden etwa die Gruppe Rot. Vorteilhaft an Sölden ist, dass die Gletscherstraße zum Renngeschehen abgesperrt werden kann, um exklusiv dem Weltcup-Tross zur Verfügung zu stehen.

Nur ja nicht groß feiern

Bei der Siegerehrung wiederum soll auf allzu große Emotionen - auch das kennt man mittlerweile - verzichtet werden: kein Umarmen, kein Händeschütteln, und die Pokale sollen wie im Tennis selbst übernommen werden. Zumindest von Gesichtsmasken war in der dünnen Luft auf über 2.500 Metern Seehöhe noch keine Rede. Trotz allem bleibt die Ungewissheit: "Was gestern galt, kannst du morgen eventuell schon wieder über den Haufen schmeißen", meint etwa Rupert Steger, Mitglied der ÖSV-Task-Force für das Präventivkonzept.

Vor allem im Dezember wartet der wirkliche Härtetest, wenn es für Damen und Herren in St. Moritz, Courchevel beziehungsweise Val d’Isère inmitten des dann einsetzenden Winter-Tourismus voll losgeht. Zumindest hat die FIS heuer die Reisetätigkeit massiv reduziert, indem die Nordamerika-Rennen gestrichen wurden und Europa überhaupt nur einmal - Ende Februar Richtung China - verlassen werden soll. FIS-Renndirektor Markus Waldner schwor zuletzt noch einmal alle auf die Extremsituation ein: "Heuer geht es ums Überleben. Wir haben eine Mission: Wir müssen Rennen fahren", sagte der Südtiroler und erklärte die WM im Februar in Cortina d’Ampezzo zum Highlight und finanziellen Rettungsanker der Zwei-Bretter-Branche.

ÖSV-Präsident Schröcksnadel indes formulierte auch ein anderes Ziel für den Weltcup-Start: Die "Bilder vom Wintersport als Superspreader" sollten wieder aus den Köpfen verschwinden, sagte der 79-jährige Tiroler, der für Fans an sich wenig Infektionsgefahr sieht: "Es gibt sehr viel Platz, die Leute können sehr weit auseinanderstehen." Im Juni 2021 will der Langzeitpräsident übrigens sein Amt übergeben - am liebsten gesund und mit dem Nationencup.