Beim Alpinski-Weltcup-Auftakt in Sölden sind am Freitag - und damit einen Tag vor dem ersten Rennen - positive Corona-Fälle in zwei Teams bekannt geworden. Die Tests seien zwar vor Ort, aber bereits am Donnerstag und damit vor der offiziellen Anreise erfolgt, erklärte FIS-Renndirektor Markus Waldner. Laut Medienberichten ist unter anderem ein Trainer der schwedischen Herren betroffen.

Die zuständigen Behörden seien eingeschritten, die betroffenen Personen isoliert worden, erklärte Waldner zudem. "Das Pech war, dass die Tests nicht vor der Anreise, sondern direkt vor Ort erfolgt sind." Sie würden aber die ersten beiden Weltcup-Rennen im Ötztal - Damen-Riesentorlauf am Samstag, jener der Herren am Sonntag (jeweils 10/13 Uhr, ORF1) - nicht wirklich tangieren, weil die Personen noch keine Akkreditierung übernommen hatten. "Damit waren sie auch noch nicht in ihrer Blase, und der Fall ist nicht zum Event zu zählen", präzisierte Waldner. Und so wie in anderen Sportarten wird es wohl erst prekär, wenn sich das Virus innerhalb der Blase unkontrolliert ausbreiten sollte. "Sobald wir in diese Blase reinkommen, sind wir sowieso alle sicher, weil man nur mit negativem PCR-Test in die Blase reinkommt", meinte der Südtiroler unmittelbar vor Bekanntwerden dieser beiden Fälle. Allerdings mit dem Zusatz, dass man das Risiko trotz regelmäßiger Tests nie total ausschalten könne.

Sportlich geht es für die ÖSV-Herren ab Sonntag vor allem darum, die miserable - insbesondere in den Technikrennen - erste Post-Marcel-Hirscher-Saison abzuschütteln. Der Gewinn von einer oder mehr kleinen Kristallkugeln ist heuer eines der Hauptziele. "Wir haben Leute, die um die Kugeln mitfahren können", sagte Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher. Die Aussicht auf den Sieg im Gesamtweltcup sei derzeit indes nicht allzu groß, wenngleich Marco Schwarz ein Angriff zuzutrauen wäre, wenn er sein Können voll abrufe. "Du musst eben die Big Points machen."

"Es kann viel passieren"

In der vergangenen Saison, die wegen der Corona-Pandemie im März vorzeitig abgebrochen wurde, gingen die rot-weiß-roten Herren im Kampf um die begehrten Glaspokale leer aus. Das war davor zuletzt 2010/11 der Fall gewesen. Dann kam das Phänomen Hirscher, der acht Mal in Serie den Gesamtweltcup gewann und zwölf kleine Kugeln obendrein. Die Lücke, die nach seinem Rücktritt im September 2019 klafft, ist erwartungsgemäß enorm. Das Potenzial wäre aber vorhanden, ist Puelacher überzeugt. "Mothl Mayer war letztes Jahr sehr gut dabei, bis er krank geworden ist", erinnerte der Tiroler, der in seine siebente Saison als Herren-Verantwortlicher geht. Der Speed-Spezialist (und Streif-Sieger) Mayer belegte schließlich den vierten Gesamtplatz, Vincent Kriechmayr war Gesamt-Fünfter. "Wer hätte letztes Jahr mit Kilde als Sieger gerechnet? Man sieht, es kann relativ viel passieren in einer Saison. Wir müssen einfach schauen, dass wir so viele Siege und Punkte wie möglich machen", erklärte Puelacher. "Die Favoriten sind aber sicher andere."

Im Hinterkopf hat der Cheftrainer weiterhin Schwarz: Der Kärntner sei nach seinem Kreuzbandriss im Februar 2019 wieder in bester Verfassung, vielleicht sogar stabiler als je zuvor. "Bei ihm sollte der Riesentorlauf heuer dazukommen, man muss auch schauen, wie er sich im Parallelbewerb schlägt. Er ist jedenfalls ein bisschen breiter aufgestellt. Wenn er das zeigen kann, dann ist er am richtigen Weg", betonte Puelacher. Auch der Kalender würde für ihn sprechen. "In seiner Paradedisziplin Slalom gibt es elf Rennen."

Baustelle Riesentorlauf

Die größte Baustelle ist weiterhin der Riesentorlauf, wo in der Vorsaison das Vakuum nach dem Hirscher-Rücktritt offensichtlich wurde. Bei verletzungsgeplagten Spezialisten wie Roland Leitinger und Stefan Brennsteiner müsse "an der Konstanz" gearbeitet werden. Dafür installierte man mit Ex-Hirscher-Trainer Michael Pircher einen ausgewiesenen Spezialisten als Spartentrainer, der zudem Unterstützung von Erfolgsvater Ferdinand Hirscher erhält. "Ich hoffe, dass es uns gelingt, wieder einen Schritt näher an die Spitze zu kommen." Für den Auftakt in Sölden sollten jedoch keine Top-Resultate erwartet werden, zumal der erste Österreicher erst mit einer Startnummer jenseits der 15 ins Rennen gehen wird.

Am meisten erwartet sich Puelacher heuer von seinen Speed-Assen Mayer und Kriechmayr, "die eigentlich permanent aufs Podium fahren können und das auch bewiesen haben". Auch und vor allem bei der für Februar 2021 geplanten WM in Cortina d’Ampezzo.(may/apa)