Die vergangene Saison war ein bisschen anders. Es war der 12. März - ein Tag, bevor auch die österreichische Bundesregierung den Lockdown Teil 1 verkündet hat, als der Weltskiverband FIS die Reißleine zog und alle weiteren Skisprung-Wettkämpfe absagte. Und es war ein Tag der gemischten Gefühle für Österreichs Skisprung-Ass Stefan Kraft. Denn zum einen avancierte der damals Führende im Gesamtweltcup damit automatisch zum Gewinner der großen Kristallkugel, zum anderen hätte er dies lieber auf der Schanze erledigt. "Aber es ist ja nicht so, dass es durch Zufall passiert ist", sagte der Salzburger damals.

Nun startet der 27-Jährige also als Titelverteidiger in die neue Saison, die am Wochenende mit einem Teamspringen (Samstag) und einem Einzel (Sonntag) in Wisla beginnt. Doch auch diesmal ist es ein bisschen anders. Aufgrund von Rückenbeschwerden, die ihn schon im Jänner ereilt hatten und im Sommer wieder einige Male "eingeschossen" sind, war nur eine beschränkte Vorbereitung möglich. Das Krafttraining musste reduziert werden, "und ich habe um 200 bis 300 Sprünge weniger gemacht", sagt Kraft.

Wirklich behindern sollte ihn das zwar zumindest beim Auftakt nicht, in der weiteren Saisonfolge könnte sich der Rückstand aber auswirken. Bisher galt Kraft eher als Spätstarter, auch in der Vorsaison holte er sich seinen Punktepolster erst ab Dezember heraus. Doch auch das ist diesmal nicht ganz so wie gewohnt. Weil mit der Skiflug-WM der erste Höhepunkt der Saison schon von 10. bis 13. Dezember auf dem Programm steht, sollte die Form von Beginn an passen. "Es taugt mir. Du musst von Beginn an voll da sein", sagt Kraft, der den Skiflug-Weltrekord hält und sich - Trainingsrückstand hin, Corona-Einschränkungen her - zum Ziel gesetzt hat, "um Siege und Medaillen zu kämpfen."

Während der Anführer im heimischen Skispringer-Team bereits 21Einzelsiege in seiner Vita hat, geht es für Philipp Aschenwald um seinen ersten - und für Routinier und Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer um eine Rückkehr zu alter Stärke.

"Kann nicht alles planen"

Aschenwald fühlt sich nach zwei Stockerlplätzen im vergangenen Winter jedenfalls bereit dafür. Damals war er als Zehnter der Gesamtwertung hinter Kraft zweitbester Österreicher, im Weltcup war er einmal Zweiter und einmal Dritter - unmittelbar vor Schlierenzauer, der erneut einen Angriff auf die vordersten Plätze unternehmen will. Im Sommertraining - das freilich nur schwer ein Gradmesser ist, da es bis auf einen Grand-Prix keinen Vergleich gab - glaubt er, einen weiteren Schritt vorwärts gemacht zu haben. Dennoch ist auch dem Tiroler klar: "Man kann nicht alles planen und kontrollieren. Das zeigt uns das Leben gerade deutlich." Es wird eben auch heuer nicht alles so sein wie gewohnt.(art/apa)