Die Alpinskifahrer haben es schon längst getan. Die Skispringer haben es am vergangenen Wochenende getan. Und nun tun es auch Nordische Kombinierer, Biathleten und Langläufer. "Es", damit ist freilich gemeint, in eine Saison zu starten, von der bis vor kurzem noch gar nicht klar war, ob, wann und unter welchen Umständen sie überhaupt beginnen kann. Teststrategien, Reise- und Wohnbedingungen sowie Abläufe sind mittlerweile weitgehend geklärt, offen bleiben freilich vor den Auftaktbewerben der Kombinierer und Langläufer am Freitag beziehungsweise Samstag in Ruka (dort beziehen auch die Springer für ihre zweite Station ihr Domizil in der "Bubble") sowie im Biathlon am Samstag im nicht weit entfernten Kontiolahti dennoch genügend Fragen.

Dass die Olympia-Generalprobe im Februar in Peking stattfinden kann, ist aufgrund der Quarantäne-Verordnungen für Mario Stecher, den sportlichen Leiter für Kombination und Skispringen im österreichischen Verband, "eher unrealistisch", die Bewerbe im estnischen Otepää wurden bereits abgesagt, jene in Lillehammer vorerst auf 2021 verschoben.

Besonders bitter ist dies freilich für die Kombiniererinnen, die an beiden letzteren Stationen ihr Weltcup-Debüt gegeben hätten. Und offen ist freilich auch, wie sich die besonderen Umstände auf das Leistungsniveau auswirken werden. Stecher sieht dies im Gespräch mit der Austria Presse-Agentur aber gelassen: "Wenn du erfolgreich sein willst, musst du in einem Tunnel leben und dich auf das fokussieren, was du zu tun hast." Vom Tunnel in die "Bubble" eben. "Den Besten wird das wieder sehr gut gelingen", sagt Stecher. Zu den Allerbesten zählten die Österreicher zuletzt aber nicht unbedingt. Zwei dritte Plätze durch Franz-Josef Rehrl sowie das Sprint-Team Lukas Greiderer/Martin Fritz waren die eher bescheidene Ausbeute der rot-weiß-roten Equipe.

Der Leitwolf fehlt

Wenngleich Stecher von einer "sehr guten Vorbereitung", in der man kaum Einschränkungen zu spüren bekommen habe, spricht, ist die Ausgangslage diesmal nicht unbedingt einfacher. Routinier Bernhard Gruber hat nach seiner Operation an den Herzkranzgefäßen zwar von medizinischer Seite grundsätzlich grünes Licht für eine Rückkehr in den Wettkampfsport bekommen - dahinter, wann diese vollzogen wird, steht aber ebenso noch ein Fragezeichen wie hinter dem Leistungsvermögen von Mario Seidl, der wegen eines Kreuzbandrisses die vergangene Saison auslassen musste. Nicht viel anders ist die Ausgangslage bei den Biathleten, die an diesem Wochenende vier Bewerbe bei Damen und Herren in Kontiolahti absolvieren, wo es in der Woche darauf direkt weitergeht. Im Training seien die Leistungen allesamt "sehr vielversprechend" gewesen, lässt der deutsche ÖSV-Cheftrainer Ricco Groß wissen, alle Athleten würden die Reise in den Hohen Norden "gesund und fit" antreten.

In Zeiten wie diesen ist dies immerhin schon etwas, viel Aufschlüsse über mögliche Spitzenplätze gibt es aber nicht unbedingt. Im Vorjahr schaffte es die Staffel mit dem mittlerweile zurückgetretenen langjährigen Teamleader Dominik Landertinger, Simon Eder, Felix Leitner und Julian Eberhard nur einmal aufs Stockerl, im Einzel bedeutete das beste Saisonergebnis für Landertinger immerhin WM-Bronze - und damit rückblickend einen würdigen Abschluss seiner erfolgreichen Karriere. Erfreulich war freilich die Entwicklung bei den Damen, bei denen es zwar keine Top-Drei-, aber mehrere Top-Ten-Plätze durch Lisa Hauser, Katharina Innerhofer, Christina Rieder sowie die Staffel gegeben hat. Die Richtung stimmt also. Sie führt von dem Tunnel in die "Bubble" nach Finnland - und dort vielleicht sogar in Richtung Stockerl.