Das "Zotteln" muss er vorerst sein lassen. Perchtenläufe, an denen sich Johannes Lamparter sonst gerne in der Wettkampf-freien Zeit beteiligt, sind Corona-bedingt gestrichen. Macht aber nix. Denn stattdessen entwickelt sich der Tiroler, Brauchtums-, Radfahr- und Gewichtheb-Fan, in seiner eigentlichen Profession Nordischer Kombinierer, zum Schreckgespenst für die Konkurrenz auf den Schanzen und Loipen.

Während der Routinier im heimischen Team, Bernhard Gruber, seines Zeichens Team-Olympiasieger 2010 und Weltmeister 2015, nach seiner Herzoperation rekonvaleszent fehlt, Mario Seidl nach seiner Kreuzbandriss-bedingten Pause im Vorjahr zwar auf dem Weg zur, aber eben noch nicht in Bestform ist, und die Springer mit einem B-Team erwartungsgemäß keine Spitzenplätze abliefern konnten, sorgte der Anfang November 19 Jahre alt gewordene Lamparter für die Lichtblicke der nordischen Skisportler am vergangenen Wochenende. Die "Ruka-Tour" mit drei Bewerben beendete der Tiroler nach einem zweiten, einem sechsten und einem vierten Platz auf dem dritten Gesamtrang.

Mario Stecher, der sportliche Leiter für Skispringer und Kombinierer im heimischen Skiverband, der wegen des Corona-Clusters bei den Skispringern derzeit in der Heimat in Selbstisolation weilt, hatte Lamparter schon vor dem Saisonstart eine große Zukunft prophezeit. "Er hat im Training enorm aufgezeigt."

"Eine Bestätigung, die Selbstvertrauen gibt"

Immerhin hatte der Absolvent des Skigymnasiums Stams schon bei Junioren-Weltmeisterschaften mit insgesamt sechs Medaillen sein Talent unter Beweis gestellt. Dass er den Vorschusslorbeeren aber nach dem 28. Platz in der Endabrechnung und zwei 14. Plätzen als besten Einzelergebnissen in der vergangenen Saison - in die er allerdings verspätet eingestiegen war, aber gleich derart gerecht werden würde, hätten wohl nur die wenigsten gedacht. "Es ist schön, dass die Erfolge so hereinprasseln und er so einschlägt", sagt Österreichs Cheftrainer Christoph Eugen. "Dass er konstant dreimal vorne ist, konnte man nicht erwarten."

Lamparter selbst zeigte sich zwar glücklich, aber nicht allzu beeindruckt. "Man hat gesehen, dass der erste Tag keine Überraschung war. Das Wochenende ist für mich eine Bestätigung und gibt mir Selbstvertrauen für die weiteren Wettkämpfe", sagt er selbstbewusst. Diese sind nach der Absage beziehungsweise der Verschiebung der Bewerbe in Lillehammer nun erst für 18. bis 20. Dezember in Ramsau anberaumt, wo er vor zwei Jahren seinen ersten Weltcup absolvierte und gleich in die Punkteränge kam.

Zotteln geht bis dahin halt nicht. Aber Training ist ja auch etwas Schönes - mit dem Rückenwind von Ruka erst recht.