Normalerweise tasten sich die Speedfahrerinnen langsam an die Geschwindigkeit heran - mit Trainings vor den Abfahrten in Lake Louise. Da die Überseerennen wegen Corona gestrichen wurden, werden für Nicole Schmidhofer und Co. die beiden Weltcup-Super-G am Wochenende in St. Moritz (jeweils 11.30 Uhr/ORF1) ein Kaltstart. Ungemach könnte allerdings wegen erwarteter Neuschneemassen warten, die auch die Herren-Rennen im nahen Santa Caterina in Italien bedrohen.

Die Österreicherinnen haben im vergangenen Winter die Vormachtstellung in den Speed-Bewerben abgegeben. In der Abfahrtswertung war Stephanie Venier als Siebente die Beste, es folgten Nina Ortlieb (8.) und Nicole Schmidhofer (9.). Besser sah es im Super G aus mit Schmidhofer als Dritter, Venier als Fünfter und Ortlieb als Sechster. Für Schmidhofer ein schwacher Trost, hatte sie doch in der Saison davor einen Dreifachsieg in der Abfahrt vor Venier und Ramona Siebenhofer angeführt und war im Super-G-Kugelkampf Zweite gewesen.

"Ich will wieder vorne mitfahren, jede von uns hat darauf hintrainiert, Rennen zu gewinnen. Für mich ist das Ziel, so lange wie möglich um die Kugel mitzufahren und Top Drei zu sein. Wenn uns gelingen würde, wieder mannschaftlich so stark zu werden, wäre das cool, denn es war eine unglaublich lässige Stimmung", erinnerte Schmidhofer. Die Österreicherinnen kämpften auch mit einer Grippewelle innerhalb der eigenen Reihen. Heuer heißt der unsichtbare Feind Corona - Schmidhofer, Venier und Mirjam Puchner haben die Infektion gut überstanden, Tamara Tippler kämpft noch mit Nachwirkungen und fällt auf unbestimmte Zeit aus; Ortlieb indes fehlt im Engadin wegen einer leichten Knieverletzung.

Internationale Trainingsvergleiche gab es heuer nicht, auch für ÖSV-Damen-Rennsportleiter Christian Mitter ist es "brutal schwierig zum Einschätzen". In der Vorbereitung hat man die Quantität der Skitage ans obere Limit geschraubt, 15 bis 20 Prozent mehr wurde auf den zwei Latten geübt. Venier weist zwar Trainings- und Konditionsrückstand auf, die Abfahrts-Vizeweltmeisterin von St. Moritz will dies aber mit ihrer Routine wettmachen. "Die eineinhalb Minuten stehe ich drüber, gebe Vollgas und vertraue auf mein Können."

Bei den ÖSV-Riesentorlauf-Herren hoffte man auf eine deutliche Steigerung gegenüber der Abreibung beim Weltcup-Auftakt in Sölden - zumindest in den Top-Ten-Bereich wollen die Österreicher am Samstag und Sonntag in Santa Caterina vorstoßen. Mit dabei ist Corona-Rückkehrer Marco Schwarz sowie der zuletzt am Rücken blessierte Manuel Feller. Nun gehe es ihm körperlich so gut, wie schon lange nicht mehr, "und auch skifahrerisch haben wir einen Schritt nach vorne gemacht", erzählte der Tiroler. Beim Training zuletzt auf der Reiteralm habe Feller schon wieder Bestzeiten abgeliefert, berichtete Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher. "Er hat einen Tag sogar sehr beherrscht."

Schwarz: "Einiges möglich"

Schwarz indes verpasste das Parallelrennen in Lech/Zürs nach einem positiven Corona-Test: "Ich habe nur ein, zwei Tage Fieber gehabt. Sonst habe ich mich dann in zehn Tagen Quarantäne gut auskuriert, wieder Kraft getankt", erläuterte der Kärntner, der zwar lediglich zwei Tage Riesentorlauf-Training in den Beinen hat, aber glaubt, dass "schon einiges möglich" ist.(apa/may)