Stell dir vor, es ist WM und keiner geht hin. So oder so ähnlich könnte man die Situation vor den Skiflug-Titelkämpfen in Planica beschreiben. Schon am Donnerstag geht es im slowenischen Skisprung-Mekka mit Training und Qualifikation los, und Stand Dienstag war noch nicht klar, wer aus der einst so erfolgsverwöhnten österreichischen Mannschaft rund um Weltrekordhalter Stefan Kraft überhaupt teilnehmen kann. Schließlich hat das Coronavirus die Mannschaft schon zum frühestmöglichen Saisonzeitpunkt voll erwischt - und damit alle Planungen für den Weltcup-Winter generell und den ersten Höhepunkt im Speziellen über den Haufen geworfen.

Kraft, Michael Hayböck, Gregor Schlierenzauer und Philipp Aschenwald waren ebenso wie Cheftrainer Andreas Widhölzl gleich nach dem ersten Weltcup-Wochenenende in Wisla (21./22. November) positiv getestet worden, beim Weltcup in Russland kamen nun weitere Hiobsbotschaften in Form entsprechender Ergebnisse bei Daniel Huber, Jan Hörl, Manuel Fettner und Thomas Lackner hinzu.

Für das zweite Springen am Sonntag nahm der österreichische Skiverband daher sicherheitshalber die gesamte Mannschaft aus dem Bewerb. Ob ein solches Szenario auch für die WM droht? Mario Stecher, sportlicher Leiter für Skispringer und nordische Kombinierer, wiegelt ab: "Ich denke schon, dass wir gut aufgestellt sind", sagt er - doch es klingt eher nach Zweckoptimismus denn nach echter Hoffnung auf Medaillen. Schließlich hat nach dem jüngsten Test ausgerechnet Huber, jener Springer also, der im noch kurzen Winter aus dem heimischen Team am meisten aufgezeigt hat, definitiv keine Chance mehr auf einen WM-Einsatz.

Besser sieht es freilich bei Schlierenzauer, Kraft, Hayböck und auch Aschenwald aus. Sie haben mittlerweile negative Testergebnisse geliefert, ein weiteres vor der Anreise nach Planica ist Voraussetzung dafür, dass sie in der "Bubble" Quartier beziehen und an den Wettkämpfen teilnehmen können. Schlierenzauer, der nach seinem positiven Test von "hohem Fieber" geschrieben hat, fühlt sich jedenfalls bereit, er spüre "eine enorme Erleichterung" und "wiederkehrende Energie".

Wie sehr die Infektion sich aber auf die Substanz ausgewirkt hat, wird sich erst noch weisen müssen. Fürs Erste jedenfalls ist man erleichtert, dass die Grundvoraussetzung für eine WM-Teilnahme erfüllt ist. Doch so wie immer wird diese WM bestimmt nicht - auch wenn dann doch wer hingeht.