Mauer, Kamelbuckel, Ciaslat-Wiese - wer kennt sie nicht, die Schlüsselstellen der legendären Saslong-Abfahrt in Gröden? Auch im Corona-Ski-Winter darf der Klassiker in Südtirol nicht fehlen, wiewohl die Traditionsveranstaltung erstmals in der 52-jährigen Geschichte heuer ohne Zuschauer über die Bühne gehen muss. Nach dem Super-G-Auftakt am Freitag steigt am Samstag der Höhepunkt in Form der Abfahrt (jeweils 11.45 Uhr/ORF 1). Am Sonntag zieht der Skizirkus dann traditionell weiter über das Grödner Joch, wo in der früheren Marcel-Hirscher-Hochburg Alta Badia (sieben Rennsiege) Riesentorlauf und Slalom stattfinden - ehe es ohne Pause noch zum Torlauf-Klassiker nach Madonna weitergeht, der am Dienstagabend steigt. Die volle Dosis Ski-Rennsport also unmittelbar vor Weihnachten.

Beim Trainingsauftakt am Mittwoch in Gröden fanden zwei US-Amerikaner den schnellsten Weg ins Ziel: Jared Goldberg stellte auf der wegen Nebels verkürzten Saslong in 1:25,48 Minuten die Bestzeit auf, dahinter landete sein Teamkollege Bryce Bennett. Bennett hatte wie der Norweger Kjetil Jansrud 22 Hundertstelsekunden Rückstand. Schnellster ÖSV-Mann war der Kärntner Max Franz (+0,50 Sekunden), der in Gröden 2016 triumphiert hatte, als Fünfter. Zweitbester Österreicher war der Tiroler Romed Baumann als Achter, er startet allerdings seit dem vergangenen Winter für den deutschen Ski-Verband.

Von den übrigen Österreichern reihten sich Hannes Reichelt (15./+1,05), Matthias Mayer (16./+1,06), Vincent Kriechmayr (22./+1,35), Fast-Val-d’Isere-Sieger Otmar Striedinger (23./+1,37), Daniel Hemetsberger (24./+1,44) und Christian Walder (26./+1,48) innerhalb der Top 30 ein.

Mit Aleksander Aamodt Kilde, dem Weltcup-Gesamtsieger der Vorsaison, fuhr ein weiterer Norweger auf den vierten Platz hinter den Ex-aequo-Zweiten Bennett und Jansrud. Dass die Saslong eine Strecke für die Norsker ist, ist kein Geheimnis: Von den jüngsten 15 Bewerben gingen 9 mit einem norwegischen Sieg zu Ende. 2019 musste die Abfahrt wetterbedingt komplett abgesagt werden, weshalb die Vorfreunde bei vielen heuer besonders groß ist. Zumal die traditionellen Speed-Rennen in Lake Louise und Beaver Creek zuletzt Pandemie-bedingt gestrichen werden mussten.

Keine Zuschauer in Österreich

Seit Mittwoch ist auch fix, dass die kommenden Weltcup-Rennen des ÖSV bis einschließlich 12. Jänner 2021 ohne Zuschauer ausgetragen werden müssen. Wie der Verband mitteilte, sind von dieser Entscheidung nicht nur die Alpin-Bewerbe der Damen am Semmering, in St. Anton und in Flachau betroffen, sondern auch die Weltcups in der nordischen Kombination, im Skispringen, im Biathlon sowie die Snowboard- und Freeski-Bewerbe am Kreischberg. Auch der Kitzbüheler Ski Club (KSC) plant derzeit die 81. Hahnenkamm-Rennen (22. bis 24. Jänner) ohne Zuschauer.

Die Damen bereiteten sich indes in Val d’Isere auf ihren ersten Speed-Einsatz in dieser Saison vor (nachdem der geplante Auftakt in St. Moritz der Witterung zum Opfer gefallen war): Die Trainingsschnellsten für die beiden Abfahrten (Freitag, Samstag, jeweils 10.30 Uhr) trugen wie in Gröden Stars and Stripes - die US-Amerikanerin Alice McKenis war in 1:46,78 Minuten um 0,13 Sekunden schneller als ihre Landsfrau Breezy Johnson. Beste Österreicherin auf der Piste Oreiller-Killy war die Salzburgerin Mirjam Puchner als Sechste (+0,65), die Steirerin Nicole Schmidhofer wurde Achte (+0,70).(may/apa)