Der ÖSV hat es den Skispringerinnen ermöglicht, dass sie doch noch im Jahr 2020 ihren ersten Weltcupbewerb bestreiten können. Nach einer Absage und einer Verschiebung starten Chiara Hölzl und Co. am Freitag (15.40 Uhr) in der Ramsau endlich in die WM-Saison. Zudem wird in der Steiermark ein kleines Stück Skigeschichte geschrieben, denn die Kombiniererinnen kämpfen zuvor erstmals überhaupt um Weltcup-Punkte (9.45/13.45 Uhr). Vorweihnachtlicher Fixpunkt ist wie immer der Kombinierer-Weltcup der Männer, der am Samstag und Sonntag in Szene geht.

Die öffentliche Erwartungshaltung ist gerade bei den rot-weiß-roten Skispringerinnen vielleicht so groß wie nie zuvor: Hölzl verpasste mit sechs Einzelsiegen den Gesamtweltcup-Titel als Zweite nur um 65 Punkte, die derzeit verletzte Eva Pinkelnig wurde mit drei Einzelsiegen Gesamt-Dritte, und auch die nun 19-jährige Marita "Sara" Kramer feierte ihren ersten Weltcupsieg. Die Mannschaft von Harald Rodlauer gewann mit fast 2.000 Punkten Vorsprung haushoch den Nationencup. "Es wird nicht leichter, jeder erwartet von uns noch eine Steigerung. Aber auch andere Nationen sind sehr stark und trainieren", erklärte Rodlauer vor dem Weltcup-Auftakt. Man werde aber der Linie treu bleiben, auf die Gesamtheit des Teams zu schauen: "Wir wollen im Nationencup so weit vorne wie möglich sein. Wir wissen, dadurch kann sich jede Einzelne entfalten."

Die Vorbereitung sei trotz der Corona-Krise problemlos verlaufen. "Die Mädels sind gesund, wir haben im Team noch keinen Fall gehabt. Bis jetzt sind wir sehr verschont von dem Ganzen", erklärte Rodlauer, der im Vorfeld bei Kursen übrigens auf Einzelzimmer für seine Mädels gesetzt hatte. Der ÖSV-Cheftrainer freut sich über den Erfolgshunger von Hölzl und Co.: "Es ist eine irrsinnige Freude, mit ihnen zu arbeiten, weil sie extrem ehrgeizig sind, sich weiterentwickeln wollen." Zudem lobt er das gegenseitige Helfen und auch die Freude für den anderen.

Mit Pinkelnig zur WM?

Hölzl habe sich sehr weiterentwickelt. "Sie weiß, was sie will. Es wird nicht so einfach sein, weil man die Gejagte ist." Team-Oldie Daniela Iraschko-Stolz, zuletzt nach einer Landung von einem kleinen Schleudertrauma gehandicapt, sei trotz ihrer 37 Jahre "noch immer mit Leib und Seele dabei". Und Teenager Kramer, der dieses Jahr im Bundesheer die Grundausbildung absolviert hat, bezeichnete Rodlauer als "Rohdiamant". "Sie ist extrem ehrgeizig und ein Perfektionist. Sie geht ins Detail und fordert dich extrem auch als Trainer."

Nicht vergessen wollte Rodlauer auch seine derzeit verletzten Stützen: Pinkelnig hatte sich bei einem Sturz einen Milzriss zugezogen. Der Vorarlbergerin geht es langsam besser. "Schauen wir, ob es sich bis zur WM noch ausgeht." Und Jacqueline Seifriedsberger leidet noch an den Auswirkungen eines Kreuzbandrisses im linken Knie. "Wir hoffen, dass sie heuer im Winter noch einsteigt."

Für die Skispringerinnen ist es eine Saison mit dem ganz großen Höhepunkt WM in Oberstdorf, wo es erstmals auch von der Großschanze um Edelmetall für die Frauen geht. Neben dem kleinen Bakken, dem Mixed-Bewerb und dem Teambewerb geht es im Allgäu also um vier Medaillensätze. "Über die WM haben wir noch gar nicht geredet. Du musst in guter Form sein, das können sie sich nur vorher erarbeiten", so Rodlauer. Wichtig ist für ihn, dass das Team gut funktioniert.

Das heißeste Eisen ist freilich Hölzl, die abgesehen von zwischenzeitlichen Rückenproblemen im Sommer von einer guten Vorbereitung berichtet. "Die letzte Saison war die beste in meiner Karriere. Es ist immer schwierig, das noch einmal zu schaffen, weil es doch so ein sensibler Sport ist. Ich bin selbst neugierig, was jetzt in der Ramsau rausschaut."