Zuerst kamen die geballte Faust und ein "Yes!" – gefolgt von einem urigen, rot-weiß-roten Statement des Erfolgs: "Do is’ er wieder!" Manuel Feller ist wieder zurück auf dem Stockerl des Ski-Weltcups. Wie ein Schneekönig freute sich der Tiroler am Montag in Alta Badia über seine zwischenzeitliche Slalom-Bestzeit im verwaisten Zielraum des Südtiroler Traditionsskiorts. Doch nachdem ihm am Ende sogar der Sprung von Rang 13 auf 2 gelungen war – geschlagen nur um 8 Hundertstelsekunden vom Schweizer Zwei-Meter-Mann Ramon Zenhäusern – gingen die Emotionen mit dem 28-Jährigen durch. Wie ein Schlosshund flennte der Fieberbrunner beim TV-Interview: "Das ist der emotionalste Moment meiner Karriere", meinte der Slalom-Vizeweltmeister von 2017, der sich nach einer schwachen Vorsaison gefolgt von einer sommerlichen Verletzungsmisere erstmals seit März 2019 wieder auf das Weltcup-Stockerl klassierte. Mit ihm ein weiterer Österreicher: Der Kärntner Marco Schwarz (+0,12), der ebenfalls knapp am Premierenerfolg im Slalom vorbeischrammte, war letztmals im Jänner in Kitzbühel (Slalom-Zweiter) auf einem Siegerfoto abgebildet.

Dabei hatte es für die beiden ÖSV-Athleten nach dem ersten Lauf gar nicht nach einem Spitzenplatz ausgesehen: Auch Schwarz schien – nach einem Fahrfehler nur auf Rang zehn – schon abgeschlagen zu sein. Doch im Finale erwischten beide nicht nur einen Traumlauf, wobei sie als Flachhang-Spezialisten ihre Qualitäten im unteren Abschnitt voll ausspielen konnten, sondern sie profitierten auch von der immer weicher werdenden Piste, die das Resultat noch einmal auf den Kopf stellte. Leidtragende waren etwa der Südtiroler Halbzeitführende Alex Vinatzer, der auf Rang vier zurückfiel, und der Drittschnellste Michael Matt, der gar auf Platz 15 durchgereicht wurde (+0,96) – unmittelbar hinter Adrian Pertl (+0,90).

Alex Vinatzer verpasste seinen ersten Weltcupsieg. - © reuters / Alessandro Garofalo
Alex Vinatzer verpasste seinen ersten Weltcupsieg. - © reuters / Alessandro Garofalo

Dass es im ersten Saison-Torlauf noch so kommen würde, damit hatte der mit der hohen Startnummer 26 ins Rennen gegangene Feller nicht gerechnet: "Das ist fast nicht zum Glauben, eine Genugtuung tät ich sagen", so Feller unter Tränen. "Vor allem die letzte Saison war unglaublich anstrengend und schmerzhaft. Der ganze Sommer war so zach mit Schmerzen geprägt." Dem verunsicherten Bandscheiben-Patienten hatte am Vorabend ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel noch höchstpersönlich Mut gemacht – "er hat gesagt, ich soll einfach mit Herz zu fahren", erzählte Feller.

Für die nach dem schwachen Speed-Wochenende in Gröden gebeutelte ÖSV-Truppe war das Erfolgserlebnis "ein ganz gutes Weihnachtsgeschenk", wie Schwarz anmerkte. "Brutal cool! Ich freue mich mega. Mit Manu zusammen oben zu stehen im ersten Slalom, das gibt dem Team sicher Aufschwung." Und wohl auch ihm selber – erst recht vor dem Nachtspektakel in Madonna di Campiglio am Dienstagabend, wo er schon zwei Mal auf dem Stockerl gestanden ist (2015 als Dritter/2018 als Zweiter). "Madonna habe ich sehr gut im Kopf", meinte der 25-jährige Radentheiner augenzwinkernd.

Dort ist dann Zenhäusern der Gejagte: Für den 28-Jährigen war es der zweite Slalomsieg nach Kranjska Gora im März 2019 – von Halbzeitplatz acht aus. "Nach dem ersten Lauf war alles so eng zusammen, das war Nervenkitzel pur. Da gab es nur eine Strategie, Vollgas."