Sie heißen Andreas Widhölzl, Gregor Schlierenzauer, Stefan Kraft und Co. - und sie haben in der langen Geschichte der Vierschanzentournee, die traditionell den sportlichen Sprung ins Neue Jahr markiert, mit ihren Siegen zur rot-weiß-roten Erfolgsgeschichte bei diesem Bewerb beigetragen. Doch heuer ist vieles anders, nicht nur, aber was die heimischen Skispringer betrifft, auch wegen Corona. Widhölzl ist mittlerweile Cheftrainer, Rekordweltcupsieger Schlierenzauer gar nicht nominiert und Kraft nach einer Covid-19-Erkrankung sowie Rückenbeschwerden nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Trotzdem führt der Salzburger, der 2014/15 für den bisher letzten der insgesamt 16 österreichischen Gesamtsiege gesorgt hat, das heimische Aufgebot an. Stärker in Form zeigten sich bisher aber Daniel Huber, der als Einziger aus Österreichs Adlerhorst heuer zweimal auf dem Stockerl gelandet ist, sowie Michael Hayböck, der als Vierter nur knapp eine Medaille bei der Skiflug-WM verpasst hat.

Doch heuer heißen die Favoriten eben auch nicht Huber oder Hayböck, sondern Markus Eisenbichler und Halvor Granerud. Vor allem der 24-jährige Norweger springt in der Form seines Lebens, führt den Weltcup souverän an und hat zuletzt fünf Siege in Folge gefeiert. Hält seine Erfolgssträhne an, könnte er sich zum ersten norwegischen Sieger seit Anders Jacobssen 2006/07 krönen. Der Erfolg des jungen Mannes aus Oslo kommt nicht von ungefähr - auch wenn er sein Talent, das er schon bei Junioren-Weltmeisterschaften vor fünf Jahren bewiesen hat, auf oberster Ebene lange nicht zeigen konnte. In der Vorsaison bestritt er nur wenige Wettkämpfe, zog sich ins Training zurück und kam ins Grübeln. Im Frühling wandte er sich noch einmal ans Trainerteam rund um den Österreicher Alexander Stöckl, mit der Bitte, schonungslos seine Schwächen offenzulegen. Seither hat er daran gearbeitet - und auch mental ist ihm gleich zu Saisonbeginn der Knopf aufgegangen. "Er ist ein extrem gewissenhafter Athlet mit großen Zielen, die er wirklich stur verfolgt. Er ist ein kluger Bursche, sehr reflektiert für seine 24 Jahre", sagte Stöckl kürzlich in einem Interview mit der Austria Presse Agentur über seine Nummer eins, die nur hachdünn den Skiflug-Weltmeistertitel verpasste, sich aber immerhin im Team an den Deutschen, die in Karl Geiger den Einzel-Weltmeister stellten, revanchierte. Druck scheint für Granerud also kein allzu großes Problem darzustellen, wenngleich Stöckl sagt: "Der Nachteil, wenn man etwas im Kopf hat, ist, dass man sich leichter verzettelt."

Dasselbe ist heuer neben Corona, Rückenproblemen und Co. auch den Österreichern passiert. Bei der Generalprobe in Engelberg, bei der Kraft fehlte, kam keiner in die Top Ten, Daniel Huber stürzte von Halbzeitrang vier auf 13 ab. "Ich habe vielleicht ein bisschen überpaced", sagte er danach. "Die nächsten Sprünge versuche ich, ein bisschen mehr ,passieren‘ zu lassen." Passiert ist in der Tournee-Geschichte freilich schon so einiges - auch wenn die Namen, die diese schreiben, sich geändert haben.