Das Ski-Jahr geht aus rot-weiß-roter Sicht zwar nicht ganz so desaströs in die (kurze) Weihnachtspause, wie die Saison 2019/20 geendet hatte. Die im März vorzeitig abgebrochene Wintersportsaison endete für die seit damals Nicht-mehr-Skination-Nummer-eins mit exakt null großen und null kleinen Kristallkugeln - also auch ohne Ausbeute im Nationencup. Einen solchen Weltcup-Salto-nullo hatte es für den ÖSV zuletzt 1986/87 gegeben, folglich nie in der seit 1990 laufenden Ära von Präsident Peter Schröcksnadel. Dass seinen Athleten im definitiv letzten Amtsjahr des 79-jährigen Tirolers rasch zurückschlagen und dieses sportliche Seuchenjahr abhaken würden, war die große Hoffnung zum Saisonstart Mitte Oktober gewesen. Allein, gelungen ist der Befreiungsschlag (bisher) nicht: Auf dem Weihnachts-Gabentisch liegt kein einziger ÖSV-Sieg, bei Damen (2) und Männern (4) stehen gerade einmal sechs Stockerlplätze auf der Habenseite.

Man muss freilich wiederum 33 Jahre zurückblicken, um den Start-Negativrekord der heimischen Skifahrer auszumachen. In besagter Saison 1986/87 dauerte es gar bis zum 57. Bewerb - also bis knapp vor Schluss -, ehe die spätere Olympiasiegerin Sigrid Wolf am 13. März in der Abfahrt von Vail doch noch zuschlug. Die ÖSV-Herren blieben damals ganz ohne Erfolg - ihren historisch spätesten Saisonsieg "feierten" sie 1991/92, als es bis zum 30. Bewerb warten hieß, ehe Günther Mader doch noch gewann.

Herrenteam hinter Norwegen

In der diesjährigen Corona- und WM-Saison sind immerhin schon 20 (von 72 geplanten) Rennen gefahren: Bei den Damen war es genau eine ÖSV-Damen, die die Fahnen hochhielt - Katharina Liensberger schaffte in den beiden Levi-Slaloms je zwei dritte Ränge; bei den Herren fuhren Manuel Feller (im Alta-Badia-Slalom) und Otmar Striedinger (in der Abfahrt von Val d’Isere) nur um wenige Hundertstel am ersten Weltcupsieg vorbei; Marco Schwarz (ebenfalls beim Slalom im Hochabteiltal) sowie Christian Walder (Super G von Val d’Isere) sorgten für die weiteren raren Highlights aus rot-weiß-roter Sicht.

Diese Ausbeute reicht freilich bei weitem nicht, um mit der Schweiz im Nationencup Schritt halten zu können: In der Gesamtwertung fehlen auf die Eidgenossen 623 Zähler (zum Vergleich: am Ende der Vorsaison betrug der Rückstand gut 1000 Punkte). Bei den Herren sind die Österreicher momentan gar nur Dritte (auch hinter Norwegen) - Frankreich hat als Vierter lediglich neun Zähler Rückstand; auch die Damen stehen derzeit auf Rang drei (hinter Schweiz und Italien) - allerdings beträgt der Rückstand auf die Spitze nur 79 Punkte.

In der Herren-Gesamtwertung muss man im Jahr zwei nach Achtfach-Champion Marcel Hirscher schon weit nach hinten blättern, um den ersten ÖSV-Fahrer zu finden: Streif-Sieger Matthias Mayer rangiert als Bester auf Platz 14. Bei den Damen ist Liensberger als Neunte immerhin in den Top-Ten.

Bei Damen wie Herren ist der Torlauf momentan die beste Disziplin: Speziell Manuel Feller hat sich aus seinem Form- und Verletzungstief katapultiert, was er mit Rang vier am Dienstag im Madonna untermauerte. Nur zehn Punkten fehlen ihm auf das rote Trikot von Madonna-Sieger Henrik Kristoffersen. "Ich kann pushen und bin nicht so ausfallgefährdet. So macht Skifahren Spaß!", resümierte der Tiroler ganz persönlich zu Weihnachten.

Auch Männer-Rennsportchef Andreas Puelacher jubilierte trotz der starken Konkurrenz über die guten Leistungen der gesamten Slalom-Equipe. "Da sind wir ebenso wie die Schweiz sehr gut aufgestellt." Dennoch: In der Grunddisziplin Riesentorlauf bestünden die Probleme weiterhin, wiewohl zuletzt ein Top-Ten-Resultat von Stefan Brennsteiner Aufschwung suggerierte.

Speed-Asse zu fehlerhaft

Bleibt der Herren-Speedbereich, wo es im Vorjahr durch Mayer und Vincent Kriechmayer gleich fünf Siege gegeben hat. Heuer konstatiert Puelacher noch zu viele Fehler seiner Asse. "Beim feinfühligen Skifahren sind andere stärker." Auf dem technisch anspruchsvollen Hang von Bormio - wo am 28./29. Dezember Abfahrt und Super G anstehen - könne sich das Blatt aber schon wieder wenden. Hofft nicht nur Puelacher, sondern auch eine angeschlagene Ski-Nation.