Nun, gegen den Wettergott kommt auch das beste Corona- und Veranstaltungskonzept nicht an. Der Riesentorlauf-Weltcup der Damen am Semmering ist am Montagnachmittag wegen starker Windböen bereits nach dem ersten Durchgang abgebrochen worden. Zwei Mal hatte man die Entscheidung, bei der die Slowakin Petra Vlhova mit einem Vorsprung von 0,22 Sekunden vor Marta Bassino aus Italien gelegen wäre, nach hinten und den Startpunkt nach unten verschoben - allein es half nichts. Dass die Österreicherinnen nur abgeschlagen auf den Plätzen landeten, kam als Wermutstropfen noch hinzu und Katharina Liensberger als beste ÖSV-Läuferin ins Ziel. Sie landete auf Rang 14.

Immerhin hielten sich die enttäuschten Gesichter mangels Publikum im Zielgelände in Grenzen. Hier herrschte am Tag eins nach den besucherbedingt teils chaotischen Zuständen am Weihnachtswochenende gähnende Leere, das erste Mal seit Beginn des Damen-Weltcups vor 25 Jahren. Um eine Vermischung der ohnehin wenigen zugelassenen Personengruppen zu vermeiden, hatte man das Areal in drei getrennte Bereiche - für Athletinnen, Presse und Personal - unterteilt und darüber hinaus ein "ausgekügeltes System", über das vom Zutritt über die Versorgung bis hin zum Verkehr alle Bereiche gemanagt werden, implementiert. In die Weltcup-Organisation des örtlichen Wintersportvereins als Veranstalter miteinbezogen sind wie seit jeher die Gemeinde Semmering und die lokale Freiwillige Feuerwehr.

Auf die Frage, mit welchen Herausforderungen der Semmering in Zeiten der Pandemie zu kämpfen hat, fällt die Antwort von Bürgermeister Hermann Doppelreiter ambivalent aus. Zum einen sei er froh, dass die Rennen überhaupt stattfinden können, zum anderen seien die Aufgaben nicht weniger geworden. "Wir haben aber alles gut im Griff", sagt er zur "Wiener Zeitung". Von der Akkreditierung über Corona-Tests bis hin zur Verkehrsregelung sei alles sehr gut gelaufen. Lediglich ein Umstand machte dem erst im Jänner neugewählten Ortschef am Montag Sorgen: So hatte es schon im Vorfeld, verstärkt durch die Bilder der vergangenen Tage, Warnungen vor einem Massenandrang an "illegalen Fans" gegeben, die die Läufe am Hirschenkogel von unbefestigten Hängen oder sogar von Bäumen aus beobachten und zudem mit ihren in der Pampa abgestellten Autos ein Verkehrschaos auslösen könnten. Dass es dazu dann doch nicht kam, ist wohl auch auf die Präsenz der Exekutive zurückzuführen, immerhin gelten ja im ganzen Land Ausgangsbeschränkungen. Und Rennen-Schauen gehört nicht zu den erlaubten Tätigkeiten in Lockdown-Zeiten.

Privat-Speisesaal für Shiffrin

Keine Zeit zum Zuschauen finden hingegen die zahlreichen freiwilligen Helfer, die unter anderem von der örtlichen Feuerwehr gestellt werden. Rund 45 Mann hat Kommandant Friedrich Hiebler in diesen Tagen eingeteilt, im Vergleich zum Weltcup von 2018 sei die Arbeit aber nicht weniger geworden. Zwar sei der Verkehrsdienst mangels Publikum weggefallen, dafür müssen die Florianis vorm Zielgelände für Ordnung sorgen. "Wir schauen, dass es bei den Parkplätzen und vor den Eingängen nicht zu einer Vermischung der unterschiedlichen Gruppen kommt, das allein ist schon eine große Herausforderung", sagt der Kommandant, dessen Feuerwehrhaus auch heuer wieder als Medienzentrum für die anwesenden Sportjournalisten und TV-Teams firmiert. Für Hiebler und seine Helfer beginnt der Arbeitstag früh, von 6 Uhr bis 16 Uhr sind die Männer jeden Tag auf den Beinen. "Selbstverständlich sind wir alle negativ getestet und gesund", fügt er hinzu.

Die Ski-Athletinnen bekommen die Feuerwehrleute freilich kaum zu Gesicht. Nicht nur halten sich die Damen in einem hermetisch abgeriegelten Pistenbereich auf - Interviews mit Medien sind nur durch eine Absperrung mit Maske und Abstand möglich -, auch sind sie ausschließlich in gesperrten Pensionen und Hotels der Region untergebracht. Zu den "Quaratänehotels" zählt auch das Hotel "Payerbacherhof", das seit Jahren den Teams aus den USA und Kanada als Quartier dient. Hausherr Konstantin Hübner wacht darüber, dass die Rennläuferinnen ungestört sind und sich auch untereinander nicht zu oft über den Weg laufen. "Jedes Team hat seinen eigenen Speisesaal", erzählt er. "Mikaela Shiffrin ist ganz von allen anderen getrennt und lebt mit ihrer Mama, dem Trainer und dem Wachsler in einer Blase." Ein Unterhaltungsprogramm mit Wein und Gesang wie sonst wird es heuer nicht geben. Für die Familie Hübner ist die Anwesenheit der Athletinnen in diesen Zeiten immerhin eine Abwechslung.

Wobei, allzu lang wird der Aufenthalt nicht dauern, die Abreise von Shiffrin und Co. ist für den 30. Dezember anberaumt. Davor soll am Dienstag noch der Slalom (15.15 Uhr/18.30 Uhr/ORF1) unter Flutlicht stattfinden. Wenn es der Wettergott zulässt. Der abgebrochene Riesentorlauf wird jedenfalls nicht nachgetragen.