Ein bisserl was geht noch. Zwar war der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf mit zwei Top-Ten-Plätzen für den österreichischen Skiverband nicht schlecht, ein bisserl mehr hätte aber durchaus drinnen sein können. Vor dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen am Freitag (Qualifikation am Donnerstag, 14 Uhr) sehen Stefan Kraft, als Sechster in Oberstdorf bester Österreicher, und Co. durchaus Luft nach oben - allerdings müssen dies auch die Umstände zulassen.

Kraft haderte etwa nach zwei starken Sprüngen in Oberstdorf mit der Jury und fehlendem Windglück, bilanzierte bei seinem Comeback nach der Corona-Infektion und Rückenproblemen aber zufrieden. Vor der Qualifikation und dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wollte Kraft seinen Körper "reparieren", der Ruhetag am Mittwoch kam dafür gelegen. "Die Sprünge waren echt sensationell", sagte Kraft, nachdem die ersten Weltcuppunkte dieser für ihn so schwierig angelaufenen Saison eingesackt waren. Beim Heimerfolg von Karl Geiger vor Kamil Stoch und Marius Lindvik riss Kraft 17,5 Punkte Rückstand auf den Sieger auf. Auf das Stockerl fehlen dem Weltcup-Titelverteidiger nach zwei von acht Tournee-Sprüngen gut 6,5 Meter. Anders als Geiger und Lindvik erwischte Kraft im Finale verhältnismäßig starken Rückenwind, im Vergleich zum fünftplatzierten Markus Eisenbichler musste Kraft von zwei Luken tiefer Schwung holen. "Plus acht (Windkompensation, Anm.) und der ‚Eisei‘ hat 0 Punkte von zwei Luken mehr, das ist ein bisschen schwierig", sagte Kraft. Zuvor sprach er im ORF von "nicht ganz fairen" Voraussetzungen.

Nach Tagen im Zeichen der Therapie spürte der 27-Jährige die Wettkampfbelastung. "Sprungfähig" lautete sein knapper Kommentar auf die Frage nach dem körperlichen Zustand. "Von gut ist es schon noch ein bisserl weg, aber es geht zum Springen. Ich werde mich nun zwei Tage gut reparieren, und dann wird es schon wieder gehen." Es folgt das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, wo es für den Tournee-Sieger von 2014/15 zuletzt regelmäßig Rückschläge zu verdauen gab. Die Olympia-Schanze liegt Kraft von den vier Schanzen der Tournee am wenigsten. Doch: Ein bisserl was geht immer noch.(apa/art)